Vor der konstituierenden Sitzung des 18. Landtags von Baden-Württemberg haben die Kirchen zu einem ökumenischen Gottesdienst eingeladen, der am 12. Mai um 9:30 Uhr in der Domkirche St. Eberhard stattfand. Überraschend war, dass die Mitglieder des Landtags – im Gegensatz zum Verhalten der Bevölkerung – den Kirchenbesuch wahrnahmen und zahlreich erschienen sind. Während bei der Bevölkerung die Relevanz der Kirche immer geringer wird, ist bei den MdL „die Kirche“ scheinbar nach wie vor ein gemeinsamer Nenner für alle. Da scheint man sich einig zu sein – wie sonst selten im politischen Alltag

Warum gehört das dazu und warum kann das nicht weg?

Das war die Frage, mit der ich am 12. Mai vormittags zur Domkirche St. Eberhard in Stuttgart ging – als Nichtgläubiger, säkularer Humanist, Wahlstuttgarter mit ostdeutscher Sozialisierung und einer gewissen Allergie gegen allzu selbstverständliche Rituale staatlicher und religiöser Würde, ob mit roten Halstüchern oder violetten Stolen.

Der frisch sortierte Landtag fand sich vor der konstituierenden Sitzung zu einem ökumenischen Gottesdienst zusammen, die Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden Prof. Dr. Heike Springhart übernahm die Predigt, begrüßt wurde unter anderem durch Bischof Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Ein religöses Ritual zum Auftakt, auch wenn die organisierte christliche Religion sowohl deutschlandweit als auch in Baden-Württemberg längst keine gesellschaftliche Mehrheit mehr hat.

Die Veranstaltung wurde – im Unterschied zu früheren Jahren – nicht angekündigt. Lediglich auf der Webseite der katholischen Kirche Stuttgart und der Webseite der Stadt Stuttgart gab es Hinweise auf „Ökum. Gottesdienst zur Konstituierung des neugewählten Landtags“. Damit hatten wir keinen guten Grund, gegen eine ungenügende Trennung von Staat und Kirche zu demonstrieren und die „Rote Karte“ zu zeigen (siehe unten). Auch im Nachhinein berichtete lediglich die Diözese Rottenburg Stuttgart: „Gottesdienst zur konstituierenden Sitzung des Landtags“ [10]. Im Sitzungsplan des neuen Landtags war der Gottesdienst nicht eingetragen.

Erstaunlich fand ich, dass die neuen Mitglieder des Landtags (MdL) den reservierten Mittelteil der Kirche nahezu füllten. Es war beeindruckend zu sehen, dass nicht (wie erwartet) eine Minderheit, sondern geschätzt nahezu alle 154 MdL der Einladung zum Ökumenischen Gottesdienst Folge geleistet haben. Die Kirche(n) scheinen die MdL immer noch erfolgreich auf einen unstrittigen gemeinsamen Nenner einstimmen zu können. Die Seitenreihen links und rechts waren für die (wenigen) Besucher reserviert.

Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden Prof. Dr. Heike Springhart predigt in der Domkirche St. Eberhard. © Werner Koch

Der Veranstaltungsort wechselt mit jeder Wahlperiode: dieses Mal fand der Gottesdienst katholisch gerahmt in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart Mitte statt, zentral gelegen an der Königstraße. Der Dachraum der Kirche hat seine eigene Ästhetik: Es gleicht der Innenansicht der Ladeluke eines überdimensionalen Space Shuttles… was einem so in den Kopf kommt, wenn man religiös motivierter Schwafelei zuhört und der Geist anfängt zu wandern.

Demokratisches Weihwasser vor dem Amtsantritt

Der Gottesdienst selbst bot, was ein Gottesdienst bietet: Begrüßung, liturgische Elemente, Predigt mit religiösem Bezug, Fürbitten, Segen, wohldosiert unterbrochen durch musikalische Einlagen. Die Orgel war stellenweise experimentell, aber positiv interessant — ein wohltuender Hinweis darauf, dass Transzendenz wenigstens musikalisch gelegentlich etwas wagt. Der Ablauf war erwartbar feierlich. Die politischen Gäste saßen da wie Menschen, die wissen, dass sie gleich regieren müssen, vorher aber noch symbolisch mit Hoffnung bestrichen werden: demokratisches Weihwasser vor dem Dienstantritt.

Beginn des Gottesdiensts zur konstituierenden Sitzung des Landtags: Alt-Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir, Manuel Hagel, CDU, der neuer Innenminister werden soll, umrahmt von den designierten Fraktionsvorsitzenden der Grünen Andreas Schwarz und dem designierten Fraktionsvorsitzenden der CDU, Tobias Vogt. © Werner Koch

Und damit sind wir beim eigentlichen Punkt: Was genau geschieht hier? Eine demokratisch gewählte Volksvertretung beginnt ihre Arbeit. Das könnte man säkular, republikanisch, pluralistisch feiern. Man könnte den Amtseid, die Verfassung, die Menschenwürde, die Verantwortung gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern in den Mittelpunkt stellen. Stattdessen steht eine Kirche bereit und sagt: Wir haben da noch ein sehr altes Deutungsangebot im Regal. Vorsicht, leicht staubig, aber emotional gut abgehangen.

Jeremia – der jüdische Prophet als Vorbild moderner Politik?

Die Predigt nahm Bezug auf Jeremia, genauer auf Jeremia 29. Für alle, die im Religionsunterricht mental oder physisch abwesend waren oder ihn nicht „genießen“ konnten, hier die Kurzfassung: Jeremia ist ein Prophet aus der hebräischen Bibel, der in einer extrem ungemütlichen politischen Lage wirkte. Juda geriet – laut der Erzählung – unter den Druck des neubabylonischen Reiches, Jerusalem wurde bedroht und schließlich zerstört, Teile der Bevölkerung wurden nach Babylon deportiert. Jeremia ist dabei die Figur, die nicht einfach Durchhalteparolen verteilt, sondern den Leuten sagt: Es wird schlimm, richtig schlimm! Und ihr werdet euch in der Fremde einrichten müssen.

In Jeremia 29 schreibt er an die Exilierten sinngemäß: Baut Häuser, pflanzt Gärten, gründet Familien, sucht das Wohl der Stadt, in die ihr verschleppt wurdet. Betet für sie, denn in ihrem Wohl liegt auch euer Wohl. Das ist politisch durchaus interessant. Kein religiöser Eskapismus, kein „wir sitzen das aus, bis Gott die alte Ordnung wiederherstellt“, sondern eine Aufforderung zur aktiven Gestaltung der Gegenwart. Man könnte sagen: Integration statt innerer Emigration. Oder schwäbisch: Wenn du schon da bist, mach wenigstens den Kehrwochenplan mit.

Das ist ursprünglich keine christliche Erzählung. Es ist jüdische Literatur, im jüdischen Kanon, nicht Torah, sondern Teil der Propheten. Christliche Predigten bedienen sich solcher Texte gern; manchmal sensibel, manchmal mit einer gewissen Selbstverständlichkeit, als gehöre der gesamte Tanach zur christlichen Hausbibliothek mit alttestamentlichem Inventarstempel. Die jüdische Auslegungsgeschichte ist allerdings nicht identisch mit der christlichen Aneignung.

Auch historisch sollte man vorsichtig sein. Jeremia ist nicht einfach ein Protokollband aus dem sechsten Jahrhundert vor unserer Zeit. Wie viele biblische Texte hat auch dieses Buch eine komplexe Entstehungs- und Redaktionsgeschichte. Historische Fiktion, die wahrscheinlich alte Traditionen, historische Erinnerungen, prophetische Worte, spätere Bearbeitungen und theologische Deutungen einarbeitet.

Jeremia ist als Figur ein Prophet, der zu Lebzeiten eher nicht den Kommunikationspreis gewonnen hätte. Er sagt Unheil voraus, wird angefeindet, misshandelt, marginalisiert — und am Ende behalten seine düsteren Prognosen erzählerisch recht. Das hat etwas von einem makabren „Hab ich doch gesagt!“.

„Sagt die Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist!“
(frei nach Jeremia)

Für eine Predigt vor einer neuen Landesregierung liegt die Versuchung der Interpretation nahe: Sagt die Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist! Hört nicht auf die Hananja-Fraktion (Widersacher von Jeremia) der schnellen Vertröstung. Macht keine Politik aus Fake News und Opportunismus. – Dem könnte man auch aus säkular-humanistischer Sicht sogar zustimmen: Politik braucht Wahrhaftigkeit, Verantwortungsgefühl, Konfliktfähigkeit und die Bereitschaft, schlechte Nachrichten nicht unter einem Teppich aus PR-Sprech zu lagern… Blöd nur, dass es für Jeremia nicht so rosig ausging.

„Wahrheit ist die Offenbarung Gottes“ – häh?

Dann fiel sinngemäß der theologische Satz (nach entsprechender dramaturgischer Pause), an dem ich hängenblieb: Wahrheit sei die Offenbarung Gottes. Theologisch mag das anschlussfähig ein – säkular und aufgeklärt ist das ziemlicher Mumpitz. Religiöse Offenbarung als Wahrheitskriterium für Politik ist ungefähr so belastbar wie ein Wetterbericht aus Weihrauch.

In der realen Welt definieren wir Wahrheit nicht dadurch, dass eine Autorität behauptet, ihre imaginäres Gotteswesen habe es schon passend sortiert. Eine moderne, öffentliche Wahrheit muss sich an überprüfbaren Sachverhalten, Kohärenz mit anderem Wissen, Argumenten, Evidenz, Kritik und Korrektur bewähren. Das gilt in den Naturwissenschaften, in der Medizin, in der Justiz… und auch die Politik tut gut daran, nicht auf Luftschlösser zu bauen.

Eine moderne, öffentliche Wahrheit muss sich an überprüfbaren Sachverhalten, Kohärenz mit anderem Wissen, Argumenten, Evidenz, Kritik und Korrektur bewähren.

Der moderne philosophisch-wissenschaftliche Wahrheitsbegriff ist dabei kein atheistisch erfundener Spaßverderber, sondern eine hart erarbeitete Erkenntnis: Annahmen an der Wirklichkeit reiben, Irrtümer sichtbar machen, Autorität durch Prüfung ersetzen, Objektivität statt Subjektivität [5]. Die Wurzeln reichen über Galileo, Ibn al-Haytham und Aristoteles weit zurück; seine moderne Stärke liegt nicht darin, absolute Gewissheit zu versprechen, sondern darin, Irrtum institutionell einzuplanen. 

Genau darum sollte Politik dem religiösen Wahrheitsbegriff nicht folgen. Er kann privat trösten, gemeinschaftlich verbinden und literarisch inspirieren. Aber als öffentliche Methode hat er ein Problem: Er funktioniert nur für jene, die dieselbe Offenbarungsquelle akzeptieren und in ihrer Interpretation übereinstimmen. – Haben wir schon einmal zwei Gläubige getroffen, auf die das zutrifft? Und wenn der religiösen Wahrheitsbegriff konsequent politisch angewendet wurde, führte das historisch eher nicht zu liberaler Demokratie, evidenzbasierter Gesundheitspolitik und Minderheitenschutz. Sagen wir es vorsichtig: Die Bilanz ist durchwachsen, Tendenz Scheiterhaufen.

Christliche Werte: Pudding mit Rosinen

Dann kamen noch die üblichen religiösen Pudding-Punkte: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Hoffnung, Segen. Das klingt weich, warm und allgemein zustimmungsfähig. Grundsätzlich ist das Betonen gemeinsamer Werte selbst aus säkularer Sicht nicht negativ zu bewerten. Das ritualisierte Wiederholen von Vorstellungen von Werten und Herangehensweisen, die in einer Gruppe über lange Zeit entwickelt und erfolgreich getestet wurden, stärkt Gruppenzugehörigkeit, Kohärenz im Denken und sorgt vielleicht auch dafür, dass es irgendwann einmal auch der Letzte checkt.

Auch wenn christliche Werte sich oft nicht mit säkular-humanistischen Grundwerten decken, gibt es doch eine nichtleere Schnittmenge — immer dann, wenn christliche Werte auch humanistischen Anforderungen genügen. Einige tun es: Barmherzigkeit und Nächstenliebe (im Sinne von Altruismus und Empathie), Fürsorge, Verantwortung, Friedenssuche, Schutz der Schwachen. Andere tun es definitiv nicht oder nur nach heftiger Modernisierung: Autoritätsgläubigkeit, Schuldmetaphysik, patriarchale Ordnungen, Sexualmoral aus der Bronze- und Spätantike, Gehorsam gegenüber göttlich legitimierten Institutionen.

Ein Wert ist nicht gut, weil er alt ist.
Alter macht Käse besser, aber nicht Ethik.

Schwierig wird es, wenn diese Werte nicht dem aktuellen Stand unserer Erkenntnis entsprechen. Ein Wert ist nicht gut, weil er alt ist. Alter macht Käse besser, aber nicht Ethik. Humanistische Ethik fragt nicht: Steht es irgendwo? Sondern: Lindert es Leid? Erweitert es Freiheit? Respektiert es gleiche Würde? Ist es begründbar gegenüber Menschen, die meine religiösen Voraussetzungen nicht teilen?

Wenn christliche Werte diese Prüfung bestehen, wunderbar. Dann dürfen sie gern mit auf die demokratische Baustelle. Aber dann kommen sie nicht als christliche Exklusivware, sondern als allgemein begründbare menschliche Werte.

Segen: göttliches Wohlwollen mit institutionellem Handzeichen

Bleibt der Segen. Was ist das eigentlich? Im christlichen Verständnis ist Segen die Bitte um Gottes Schutz, Begleitung, Wohlwollen oder die Zusage göttlicher Nähe. Für Gläubige ist das offenbar bedeutungsvoll. Eine symbolische Wohlfühl-Geste mit metaphysischem Liefervermerk. 

Der Segen für eine Regierung ist nicht harmlos. Nicht, weil danach Engel im Staatsministerium Akten sortieren, sondern weil ein religiöses Symbol staatliche Macht emotional rahmt. Es besagt: Diese Ordnung steht in einem größeren Horizont. Für Gläubige mag das Demut erzeugen. Für Konfessionsfreie und Andersgläubige bleibt die Frage: Warum muss der Staat ausgerechnet diesen Horizont bedienen?

Warum gehört das dazu — und warum kann das nicht weg?

Deutschland hat keine Staatskirche. Gleichzeitig leben wir in einer historisch gewachsenen, verschachtelten Kooperation von Staat und Kirchen: Religionsunterricht, Staatsleistungen, Kirchenverträge, kirchliche Wohlfahrt, Seelsorge in öffentlichen Einrichtungen, Gottesdienste zu Staatsakten. Das ist keine Theokratie, aber auch keine klare Trennung. 

Man kann das historisch erklären. Man kann es verfassungsrechtlich begründen. Man kann auch sagen: Die Kirchen haben in vielen Bereichen gesellschaftlich Wichtiges geleistet. Aber die Frage bleibt: Was folgt daraus heute, in einer pluralen Gesellschaft, in der konfessionsfreie Menschen, Juden, Muslimem, Aleviten, Buddhisten, Hindus, Humanisten und religiös Desinteressierte genauso Bürgerinnen und Bürger dieses Landes sind?

Ein ökumensicher Gottesdienst als offizieller Auftakt parlamentarischer Arbeit sendet ein Signal. Aber ökumenisch ist nicht pluralistisch. Ökumene heißt: Die christlichen Filialen reden miteinander. Schön. Aber der Rest steht vor der Tür und fragt, ob es auch einen säkularen Eingang gibt.

Nicht hoffen und harren, sondern handeln und prüfen!

Am Ende hat sich wohl nicht viel geändert: Seit mehreren Jahrtausenden bitten Menschen ihre Gotteswesen — hier einen, in drei Ausprägungen — um Schutz, Orientierung, Gnade, Segen und gelegentlich um besseres Wetter für den Ernteumzug. Das ist menschlich, ersetzt aber keine Politik.

Eine neue Landesregierung braucht keinen göttlichen Rückenwind, sondern klare Ziele, messbare Ergebnisse, lernfähige Institutionen, soziale Vernunft, wissenschaftliche Redlichkeit und den Mut, auch dann verantwortlich zu handeln, wenn keine höhere Instanz applaudiert. Nicht hoffen und harren, sondern handeln und prüfen. Nicht Segen als Erfolgsmetrik, sondern Bildung, Infrastruktur, Klimaschutz, Integration, innere Sicherheit, Grundrechte, bezahlbares Wohnen und eine Verwaltung, die nicht klingt, als sei sie mit einem Faxgerät verheiratet.

Es kann sein, dass ich das alles falsch verstanden habe. Meine „Musikalität“ liegt im rational-kritischen Denken, weniger im religiös-theologischen Schwafeln. Irren ist menschlich und wichtiger Bestandteil eben jenes rational-kritischen Denkens.

Was bleibt, ist der neuen Regierung viel Erfolg zu wünschen.
Die Herausforderungen sind riesig, die Chancen aber auch.

Was bleibt, ist der neuen Regierung viel Erfolg zu wünschen. Die Herausforderungen sind riesig, die Chancen aber auch. Und vielleicht, vielleicht erleben wir irgendwann einmal, dass die Verquickung von Staat und Kirche nicht mehr so selbstverständlich ist, wie sie heute noch gelebt wird. Dann könnte eine neue Regierung einfach mit der Verfassung beginnen.

Das wäre doch auch mal ein Segen.

Sebastian Schöning, Juni 2026

Demo mit „Roter Karte“ und Aufruf zur Trennung von Staat und Kirche, am 11.05.2021 anlässlich der damaligen konstituierenden Sitzung des Landtages und dem dazu veranstalteten Gottesdienst. © Werner Koch

Quellen

[1] Der Gottesdienst fand am 12. Mai 2026 in der Domkirche St. Eberhard zur Konstituierung des 18. Landtags statt; Predigerin war Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart der Evangelischen Landeskirche, begrüßt wurde unter anderem durch Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die neue grün-schwarze Landesregierung unter Ministerpräsident Cem Özdemir trat laut Landesportal am 13. Mai 2026 an.

[2] Deutschlandweit gehörten Ende 2025 nur noch 43,8 Prozent der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche oder einer EKD-Kirche an. Für Baden-Württemberg meldeten die Quellen Ende 2025 rund 3,04 Millionen Katholikinnen und Katholiken sowie 1,67 Millionen Mitglieder der Evangelischen Landeskirche Württemberg und 945.054 Mitglieder der Evangelischen Landeskirche in Baden; bei 11.238.800 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt die Summe der beiden Großkirchen damit nur noch knapp über der Hälfte.

[3] Jeremia gehört im jüdischen Kanon nicht zur Torah, sondern zu den Nevi’im, den Propheten; christliche Bibeln ordnen die prophetischen Bücher anders und erweitern sie je nach Konfession teilweise anders. Der historische Jeremia wird üblicherweise in die Zeit vor und um die babylonische Eroberung Jerusalems 586 v. Chr. eingeordnet.

[4] Die Predigt sagte tatsächlich differenzierter, dass „was wahr ist und was letztlich trägt“ Sache der Offenbarung Gottes bleibe und nicht nur in menschlicher Erkenntnis liege; sie verband Jeremia mit Fake News, Wahrheit, Kompromiss und politischer Verantwortung.

[5] Für den säkularen Wahrheitsbegriff passt als Referenz vor allem die Korrespondenztheorie: Aussagen sind wahr, wenn sie mit Tatsachen beziehungsweise der Wirklichkeit übereinstimmen; die Stanford Encyclopedia of Philosophy stellt das als eine klassische, aber nicht unproblematische Theorie unter mehreren Wahrheitstheorien dar.

[6] Die EKD beschreibt Segen als Bitte um Gottes Schutz und Begleitung. Die Jugendweihe ist keine DDR-Erfindung, sondern entstand im 19. Jahrhundert als freigeistige bzw. säkulare Alternative zu kirchlichen Übergangsriten und wurde in der DDR staatlich-politisch umcodiert.

[7] Verfassungsrechtlich gilt in Deutschland über Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 137 WRV: „Es besteht keine Staatskirche.“ Zugleich ist das deutsche Modell historisch kooperativ, nicht laizistisch im französischen Sinne.

[8] Buch „Die Grenzen der Toleranz“ von Michael Schmidt-Salomon (Autor) Man kann diesen Sachverhalt auf eine kurze, wenn auch verstörende Formel bringen: Je empathischer, kooperativer und altruistischer Gruppen nach innen hin strukturiert sind” desto militanter, feindseliger und grausamer treten sie in der Regel nach außen auf. Nächstenliebe und Fernstenhass gehen also nicht nur Hand in Hand, eine besonders stark ausgeprägte Nächstenliebe führt häufig sogar zu einer Intensivierung des Fernstenhasses, sofern »der Fremde« als Bedrohung für die eigene Gruppe empfunden wird.

[9] Gregor Moser, Gottesdienst zur konstituierenden Sitzung des Landtags, Artikel auf der Webseite der Diözese Rottenburg Stuttgart, https://www.drs.de/aktuelles/gottesdienst-zur-konstituierenden-sitzung-des-landtags