Am 2. Oktober 2026 fand in Weil der Stadt die „Lange Nacht der Demokratie“ auf dem Carlo-Schmid-Platz (benannt nach einem der Väter von Baden-Württemberg, der einige Jahre im Städtchen gelebt hat) statt.
 
Mit einem kurzfristig gebastelten Bauchladen, gefüllt mit Infomaterial der gbs und des Zentralrates der Konfessionsfreien mischte ich mich unter die „Demokratiefeiernden“. Überwiegend freundlich und  zustimmend wurden Botschaften aus dem Bauchladen angenommen und besprochen. Nur der Altbürgermeister (er hatte Theologie studiert) und drei Erzieherinnen des katholischen Kindergartens waren ablehnend und nicht gesprächsbereit.
 
Am Abend war zur After Party mit Vernissage ins Jugendhaus Kloster eingeladen. Auf Treppenstufen vor dem Gebäude saßen ca. 10 Jugendliche zu denen ich mich setzte und mit ihnen ins Gespräch kam. Zwei erinnerten sich an die Podiumsdiskussion am Gymnasium an der Glaubensgemeinschaftsvertreter und die gbs Stuttgart, vertreten durch Ingmar Schwarz, teilnahm. Jacques Tilly und seine Karrikaturen waren vom Karneval aus Düsseldorf und als in Russland zu Gefängnisstrafe verurteilter nicht unbekannt und als Gesprächseröffnung bestens geeignet. (Anm. des Autors: Weil der Stadt ist eine Fasnethochburg als ehemalige freie Reichsstadt im Großraum Stuttgart, in der der rheinische Karneval mit der schwäbisch-alemannischen Fasnet eine Symbiose einging)
Das weitere Gespräch lenkte ich auf die Freiheiten, die in den letzten Jahrzehnten nach der Adenauerrepublik erreicht wurden. Die Jugendlichen hatten zwar schon etwas von Verurteilungen und  Gefängnisstrafen von Homosexuelle gehört aber der Kuppel-§ war ihnen unbekannt. Also erzählte ich, dass ich Anfang 73 eine Wohnung gemietet hatte in unmittelbarer Nachbarschaft einer katholischen Kirche. Meine damalige minderjährige Freundin – die Volljährigkeit lag bei 21 – sollte und wollte bei mir einziehen. Mein Vermieter hatte fürchterliche Angst straffällig zu werden, denn der Kuppel-§ verbot, dass Unverheiratete sich nach 22 Uhr im selben Zimmer aufhielten. Zwei verschiedene Namen auf Briefkasten und Klingelschild würde Kirchgänger*innen zur Anzeige provozieren. Letztlich hatte er aber nachgegeben.
 
Natürlich wurden dann auch die „Frauenbefreiung“ von dem Patriarchat angesprochen. Die Jugendlichen waren bass erstaunt, dass das „Mittelalter“ bis ins 20. Jahrhundert existierte.
 
Ein Vorstandsmitglied lud mich in das Jugendhaus ein. Sie würden sich über Kontakte und Gespräche mit älteren Menschen freuen. Also ging ich in den Gruppenraum mit Bar und traf dort auf eine weitere Gruppe Jugendlicher. Die Gespräche liefen ähnlich wie unten auf der Eingangstreppe und bevor ich mich verabschiedete wurde mir erlaubt, an der Bar und den Tischen Infomaterial und Flyer auszulegen.

Fazit

Die „Lange Nacht der Demokratie“ findet jährlich am 2. Oktober  statt, wobei sich dieses Jahr (2026) über 50 Städte und Gemeinden beteiligten.  Für gbs-Regionalgruppen und andere säkulare/humanistische Vereine und Organisationen stellt dieser Tag eine gute Möglichkeit dar, Flagge zu zeigen und Themen breiter bekannt zu machen, den wir zukünftig besser nutzen sollten.
 
Ulrich Thumm

Änderungshistorie

  • 2026-1017, Korrekturen eingearbeitet
  • 2026-10-09, Artikel angelegt