TanzDemo an Karfreitag – gegen Tanzverbote

30 März, 2018 - 17:00 - 20:00
Ort: 
Schloßplatz 70173 Stuttgart

An Karfreitag ist es wieder soweit: Tanzverbot in Baden-Württemberg.

Die Giordano-Bruno-Stiftung protestiert in Stuttgart gegen das strenge Feiertagsgesetz von BW, das Vergnügungsveranstaltungen an hohen christlichen Feiertagen wie Karfreitag verbietet. Die Protestaktion richtet sich dagegen, dass das Feiertagsgesetz Menschen massiv in der Meinungs- und Versammlungsfreiheit einschränkt. Wir akzeptieren diese Einschränkung der Grundrechte nicht.

Wir kämpfen für die Religionsfreiheit in Baden-Württemberg. Religion ist Privatsache – und auch keine Staatsangelegenheit. Zur Religionsfreiheit gehört auch die Freiheit von der Religion, das Recht frei von jeglicher Religion zu leben. Niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit gezwungen werden. Wir werden sicher die christliche Bevölkerung und die kirchlichen Angebote an Karfreitag nicht stören, möchten aber auch nicht von religiösen christlichen Vorstellungen in unserer Freiheit unnötig eingeschränkt werden.

Ein breites Bündnis aus Giordano-Bruno-Stiftung (gbs-Stuttgart), Piratenpartei, Linksjugend, Jungen Sozialisten, Jungen Liberalen und Grüner Jugend ruft dazu auf, an Karfreitag von 17 - 20 Uhr auf dem Schlossplatz für die Trennung von Staat und Religion zu tanzen.

Das baden-württembergische Feiertagsgesetz schreibt allen Bürgern vor, den Karfreitag als ernsten und stillen Feiertag zu begehen. An diesem Tag, genauer: von Gründonnerstag 18 Uhr bis Karsamstag 20 Uhr, darf nicht getanzt werden, Sportveranstaltungen sind untersagt und Filme ohne „Feiertagsfreigabe“ dürfen auch nicht gezeigt werden.

Wir wollen uns nicht durch klerikale Normen gängeln zu lassen. Nur religiös-fundamentalistische Staaten erklären klerikale Normen als allgemein verbindlich. Nur in solchen klerikal-totalitären Staaten wäre es begründbar, warum Ungläubige eine Ausnahmegenehmigung brauchen, um auf die Wahrnehmung von allgemein gültigen Menschenrechten zu bestehen.

Wir wollen gemeinsam gegen klerikale Bevormundung protestieren und gemeinsam fröhlich sein. Wir werden dabei darauf aufmerksam machen, dass das Feiertagsgesetz nur die winzige Spitze eines Eisberges ist. Dieser Eisberg mit seinen eingefrorenen Kirchenprivilegien, mit Diskriminierungen von Menschen, die denken und nicht glauben wollen, mit diskriminierenden Einschränkungen durch das besondere kirchliche Arbeitsrecht, mit staatlich finanziertem Religionsunterricht, mit Staatszuschüssen für Kirchentage, mit jährlichen Staatsdotationen von über 500 Millionen für Bischofsgehälter, etc. ist in einem säkularen, vermeintlich weltanschaulich neutralen Staat den Menschen nicht mehr vermittelbar.

Die Giordano-Bruno-Stiftung setzt sich als eine Initiative säkularer Menschen in Stuttgart für Humanismus und Aufklärung ein. Ihre Mitglieder engagieren sich für eine offene Gesellschaft ohne weltanschauliche Diskriminierung, für eine zeitgemäße Ethik und eine naturalistische Weltanschauung. Gleichzeitig sieht die gbs Stuttgart die immer stärker steigende Zahl der Konfessionsfreien, Atheisten, Agnostiker, Freidenker und Skeptiker auch in Stuttgart nicht angemessen in der Politik, der Öffentlichkeit und in den Medien repräsentiert. Daher ist es eines ihrer erklärten Ziele, vor Ort ein Forum für jene säkularen Menschen zu schaffen.

In Stuttgart waren Ende 2017 noch 23,1 Prozent der Bürger Mitglieder der römisch-katholischen und 24,1 Prozent Mitglieder der evangelischen Kirche – also zusammen weniger als 50 Prozent. Die Mitgliedschaft in einer Kirche sinkt jedes Jahr, jeden Tag, aber der kirchliche Einfluss in der Politik scheint unvermindert.

Die Bevölkerung will nicht länger von Staat und Kirche religiös bevormundet werden. Karfreitag 2018 wird in Stuttgart kein stiller Feiertag sein. Das ist das wichtigste Signal. Wir rufen alle Menschen, denen das Thema oder auch nur einer der erwähnten Punkte am Herzen liegt, dazu auf sich der Demonstration anzuschließen.

Nur wenn wir selbst etwas tun, können wir auch etwas ändern.