Christenverfolgung, Mission und Open Doors

Bildhafte Darstellung des Kreuzzugsgedanken: Christus auf dem Weg nach Jerusalem, gefolgt von Rittern. 14.Jh. British Museum

Die Anschlagsserie in Pakistan vom 11. Jan. 2013, die sich gegen muslimische Schiiten richtete und mehr als 100 Tote forderte, zeigt exemplarisch, dass religiöse Gruppierungen und radikale religiöse Minderheiten ebenso wie Ungläubige und Atheisten heute vielerorts von religiös motivierten Auseinandersetzungen betroffen sind, denen die Welt hilflos gegenübersteht. Auch christlicher Missionare.

Die verschiedensten, teilweise radikalen Ausrichtungen des Islam bekämpfen sich gegenseitig, je nach den Machtverhältnissen und der wirtschaftlichen Situationen eines Landes. Ex-Muslime und bekennende Atheisten sind in diesen Ländern noch mehr gefährdet als bekennende Christen.

Das Problem ist die fehlende Religionsfreiheit und Freiheit von der Religion in islamfreundlichen Staaten. Mit falscher Toleranz, Selbstzensur und Einknicken vor radikalen Drohungen verschaffen wir uns in Deutschland keinen Respekt, sondern bieten den Freiraum für die Aktivitäten radikaler Gruppierungen. Die Bundesregierung sollte nicht einseitig die Christenverfolgung in diesen Ländern beklagen, sondern sich für die Umsetzung des Allgemeinen Menschenrechts der Religionsfreiheit einsetzen.

Darüber hinaus sollte die Bundesregierung keinerlei Aktivitäten, auch keine Entwicklungshilfeprojekte von mehr oder weniger missionarisch tätigen christlichen Hilfseinrichtungen (Misereor, Brot für die Welt, World Vision, Open Doors - alles "offiziell" harmlose wohltätige Hilfseinrichtungen mit christlich-missionarischem Hintergrund) - mit öffentlichen Geldern aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ ("Entwicklungshilfe") unterstützen.

Im Gegenteil, es wäre angebracht, sich von missionarischen christlichen Bewegungen zu distanzieren. Dazu muss man offensichtlich die Medien und die Bevölkerung erst einmal informieren und dann den Politikern und der Bundesregierung Fragen stellen.

In Deutschland ist es weitgehend unbekannt, dass christliche Hilfsorganisationen verdeckt-missionarisch tätige Organisationen sind! Unter dem Namen "Brot für die Welt" firmiert z. B. eine Hilfsorganisation der evangelischen Seite, unter "Misereor" firmiert das katholische Hilfswerk. Gemeinsam ist diesen Einrichtungen, dass die Einnahmen überwiegend aus staatlichen Mitteln (!) stammen. Sie treten offiziell als wohltätige Organisationen auf (Hungerhilfe, Kinderpatenschaften, Entwicklungshilfe, Katastrophenhilfe, etc.). Bei der Zusammenarbeit mit Ortskirchen und Partnerorganisationen gehen Projekthilfe und kirchliche Interessen Hand in Hand und bieten Raum für missionarische Aktivitäten. Nebenbei werden über diese Organisationen und Partnerorganisationen Millionen kostenlose Bibeln, übersetzt in die jeweilige Landessprache, verteilt.

Diese Organisationen sammeln zusätzlich Spenden und setzen Kirchenmittel ein. Das ist auch Bedingung für den seelsorgerisch-missionarischen Anteil, der nicht aus Entwicklungshilfemitteln finanziert werden darf.

Solche christlich-orientierte Hilfsorganisationen bringen säkulare humanitäre Hilfseinrichtungen in Misskredit und unter Generalverdacht.

Plädoyer für unabhängige Hilfseinrichtungen

Die Vermischung von humanitärer Hilfe und kirchlich-missionarischen Zielen sowie staatlichen Interessen ist problematisch. Gelegentlich erfährt man in den Nachrichten, dass sich auch neutrale Hilfsorganisationen zurückziehen müssen, weil radikale Kräfte nicht differenzieren und deshalb alle Einrichtungen als unerwünscht einstufen.

Die staatliche deutsche Entwicklungshilfe sollte an unabhängige, weltanschaulich neutrale, humanitäre Einrichtungen und Projekte gehen und nicht an Organisationen und Projekte mit christlich-missionarischem Hintergrund und Verbindung zu Religionsgemeinschaften, die auch Bibeln verteilen und offen oder verdeckt missionarisch tätig sind.

Warum reicht es nicht, das Technische Hilfswerk THW, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), das Kinderhilfswerk terre des hommes Deutschland e.V., Ärzte-ohne-Grenzen, oder Arbeiter Wohlfahrt International zu unterstützen? Der Staat und aufgeklärte Bürger sollten neutrale Organisationen bei Entwicklungshilfeprojekten und Spenden bevorzugen.

Für humanistische und weltanschaulich neutrale Hilfseinrichtungen wäre es eine Erleichterung, wenn nicht bei einigen Hilfseinrichtungen und deren Mitarbeitern missionarische Umtriebe im Spiel wären. Das würde vermeiden, dass auch neutrale Organisationen unter dem Generalverdacht missionarischer Tätigkeit stehen, leicht in Misskredit geraten und deshalb auch angegriffen werden.

Evangelikale, fundamentalistische Christen

Die Evangelikalen sind eine theologische Richtung innerhalb des Protestantismus, die pietistisch und besonders bibeltreu sind - bis hin zum Kreationismus. Kreationisten lehnen z. B. die Evolutionslehre von Darwin und naturwissenschaftliche Erkenntnisse ab; sie glauben die Schöpfungsgeschichte wörtlich, wonach die Erde und die Menschheit gut 6-10.000 Jahre alt sein sollen. Die Kreationisten versuchen, ausgehend von den USA, ihren Einfluss geltend zu machen, um Biologiebücher umzuschreiben.

Diese Ziele findet man auch bei den evangelikal geprägten missionarisch tätigen "Hilfseinrichtungen".

Die Evangelikale Bewegung in Deutschland bezeichnet sich als überkonfessionelle Bewegung, da es Evangelikale in vielen Konfessionen gibt. Auch Open Doors bezeichnet sich selbst als überkonfessionelle christliche Hilfsorganisation. Es gibt eine Nähe zum Protestantismus und der evangelischen Kirche, zu Freikirchlichen Gruppierungen, aber auch Verbindungen zur katholischen Kirche.

Zusammenfassend kann man feststellen, viele evangelikale Einrichtungen stehen der evangelischen Kirche nahe, mancher Auftritt ist fast katholisch, manche sind explizit überkonfessionell.

Evangelikale missionieren/bekehren gerne. Mit manchen ihrer fundamentalistischen Ansichten halten sie sich in der Öffentlichkeit zurück, weil sie wissen dass diese nicht gut ankommen. Evangelikale sind z. B. radikale christliche Lebensschützer, die eine Abtreibung selbst nach einer Vergewaltigung ablehnen. Mehr darüber findet man in Presseartikeln, z. B. "Evangelikale in Deutschland. Um Gottes willen!" (taz) oder "Evangelikale als eine Macht in der deutschen Politik" (Welt). Hintergrundinformation über Evangelikale und Fundamentalistische Christen in Deutschland findet man unter "Mission Gottesreich".

Evangelikale Bewegung in der Region Stuttgart

Die Evangelikale Bewegung in Deutschland besteht aus vielfältigen Gruppierungen. Die Deutsche Evangelische Allianz ist ein evangelikales Netzwerk. Die Über 90 evangelischen Missionsgesellschaften und Ausbildungsstätten, die auf der Glaubensgrundlage der Evangelischen Allianz arbeiten, haben sich als Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen e. V. AEM (Korntal) zusammengeschlossen.

Die Evangelikalen in Deutschland betreiben einen eigenen Fernsehsender "Bibel TV", einen christlicher Fernsehsender mit ökumenischer Ausrichtung. Die Beiträge kommen von evangelikalen Organisationen, von der EKD und auch von katholischen Produktionsfirmen. "God TV" ist ein englischsprachiger evangelikaler Fernsehsender.
Anmerkung: "K-TV" und EWTN sind private Fernsehsender mit römisch-katholischen Inhalten.

In der Region Stuttgart gibt es zahlreiche Aktivitäten, die der Evangelikalen Bewegung zugeordnet werden.
Z. B.:

Die Liebenzeller Mission (Bad Liebenzell), aktiv für Mission und Evangelisation in Deutschland und weltweit; betreibt ein Bildungszentrum, Gästehäuser, Freizeit, Reisen, etc.

Das Licht im Osten (Korntal), ein Missionsbund zur Ausbreitung des Evangeliums; die Evangelische Brüdergemeinde Korntal, eine selbständige pietistische christliche Gemeinde, die u.a. Kindergärten, Jugendhilfeeinrichtungen betreibt.

Die Vorbereitung für die ProChrist Veranstaltung 03.-10. März 2013 in der der Porsche-Arena Stuttgart wird von Korntal aus gesteuert. ProChrist ist eine mehrtägige christliche Veranstaltung mit evangelikaler Prägung, die seit 1993 im Turnus von zwei bis vier Jahren stattfindet und via Satellit an zahlreiche angeschlossenen Veranstaltungsorte in ganz Europa übertragen wird. Ziel ist die Bekehrung von Menschen zum Glauben an Jesus Christus.

Die Korntaler Akademie für Weltmission AWM, die getragen wird von beinahe 150 Missionsgesellschaften, organisiert in zwei Dachverbänden: Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen e. V. AEM (Deutschland) und der Arbeitsgemeinschaft evangelischer Missionen (Schweiz).

In Korntal-Münchingen befindet sich ebenfalls der Sitz des Deutschen Christlichen Techniker-Bunds e.V. DCTB. Der DCTB spricht christlich orientierte Studenten und im Beruf stehende technisch orientierte Fachkräfte an, die an die Existenz Gottes, das Eingreifen Gottes in die Schöpfung und an das Leben und Wirken Jesus glauben. Das Bekenntnis des DCTB belegt das fundamentale christliche Glaubensbekenntnis bis hin zum Bekenntnis zum Missionsbefehl Jesu "Geht zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes; lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe" (Matthäus 28, 19-20). Prof. John Lennox ist ein Beispiel für die wissenschaftliche Diskussion unter christlichem Vorzeichen, die der kreationistischen Strömung des Intelligent Design einen wissenschaftlichen Anstrich geben. Das Ziel von Intelligent Design ist, den Kreationismus in die Form einer Wissenschaft zu gießen Prof. John Lennox tritt in Vorträgen und in Publikationen des DCTB auf.

Das Diakonissenmutterhaus Aidlingen, eine Gemeinschaft von 280 Frauen, die als Diakonisse ehelos bleiben und eine Gütergemeinschaft bilden. Die Schwestern erzielen durch ihre Tätigkeit als Religionslehrer, Kindergärtner, Lehrerinnen für Pflegeberufe, Pflegekräfte in Pflegeheimen, etc. Einkünfte, die dem Diakonissenmutterhaus ohne Steuerabzug zufließen. Die Einkünfte der Schwestern fließen in eine gemeinsame Kasse, aus der sie den Lebensunterhalt und missionarische Projekte finanzieren.

Ein Beispiel für eine besonders missionarisch auftretende Organisation ist die Deutschen Missionsgemeinschaft (DMG) in Sinsheim. Die DMG arbeitet auf der theologischen Basis der Evangelischen Allianz.

Hilfe für Brüder e. V. Stuttgart unterstützt weltweit die Ausbildung einheimischer Mitarbeiter und Gemeindearbeit sowie diakonische Aufgaben: Arbeitsgebiete: weltweite Unterstützung christlicher Initiativen durch finanzielle Hilfe; Christliche Fachkräfte: weltweite Entsendung von Fachleuten in die Entwicklungszusammenarbeit; Co-Workers: Zeit für Deine Mission: Wir prägen junge Christen durch weltweite Kurzeinsätze.

Zu den evangelikalen Einrichtungen zählt auch die erste MegaChurch in Deutschland, das Gospel-Forum ist eine Freikirche in Stuttgart-Feuerbach. Zur Gemeinde gehört der "Christliche Sportverein Stuttgart 1999 e. V.", eine eigene Kita, eine Pfadfindergruppe, Seniorentreffs. Von der Wiege bis zur Bahre: evangelikal.

Die meisten evangelikalen Organisationen finanzieren sich überwiegend aus Spenden und veröffentlichen keinen finanziellen Jahresbericht, der über die Mittelherkunft und -verwendung informiert.

Evangelikale Christen missionieren auch in Afrika

Es ist festzustellen, dass manches, was über verfolgten Christen berichtet wird, bei näherem Hinsehen sehr suspekt ist.

Nicht nur in Afrika sind verschiedene fundamental-evangelikale Christen missionarisch tätig.

Im Zeichen des Kreuzes geschehen dort grausamste Dinge. So sei z.B. der deutsche Prediger Bonnke, mit seiner Bewegung "Christus für alle Nationen" mitschuldig an der Folterung und dem Tod einiger tausend Kinder in Nigeria, indem er den Hexenwahn neu kultivierte. Er hetzt die Christen auf und "befeuert" (Titel seiner Schrift "Evangelism by Fire", "Im Feuer Gottes") die Konflikte zwischen Christen und Muslimen. Die passende Schlagzeile dazu: Ein Deutscher als "Mähdrescher Gottes" in Afrika! Reinhard Bonnke fährt mit einem Mercedes S 600 zum mit 200.000 Anhängern gefüllten Stadion - Leihgabe des Bischofs der United Gospel Churches - und verlässt es mit "Opfergaben", den Geldspenden der Anwesenden.

Zu den Auswüchsen evangelikaler Bewegungen beispielsweise in Nigeria sollte man sich einmal das Video "Kinderhexen in Afrika" (Child 'witches' in Africa) ansehen oder den Bericht lesen "Children are targets of Nigerian witch hunt". Diese neue unglaubliche Hexenverfolgung ist nicht auf Nigeria beschränkt. Siehe Beispiel aus der Demokratischen Rep. Kongo: "Hexenkinder" in Kinshasa - Opfer religiösen Fanatismus" (Niederländisch) oder aus Malawi "Studie über Hexenverfolgung in Malawi".

Eine Anmerkung, die zeigt, wie wenig wir von den "Christen" in Afrika wissen: in einigen afrikanischen Staaten, z. B. Nigeria, gehört die Beschneidung Neugeborener (vorwiegend bei Mädchen) für christliche Familien zur Tradition.

Angebliche Christenverfolgung

Die Studie über die Christenverfolgung, die um die Jahreswende in den Medien in Deutschland vielfach publiziert wurde, ist von dem "Hilfswerk" Open Doors erstellt. Die Organisation Open Doors veranlasst Politiker wie Volker Kauder und Angela Merkel, sich für die verfolgten Christen einzusetzen. Sie fordern quasi den Schutz der Bundesregierung für ihre fundamentalistischen Tätigkeiten.

Die Bundeskanzlerin und die CDU übernehmen die Argumentation der Evangelikalen und setzen sich für verfolgte Christen ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Christentum als die "verfolgteste Religion auf der Welt" bezeichnet. Der Schutz verfolgter Christen sei deshalb ein wichtiger Teil deutscher Außenpolitik, sagte sie auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am 5 November 2012 im Ostseebad Timmendorfer Strand.

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat die umstrittene Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) zu der Verfolgung von Christen gegen Kritik u.a. vom Deutschland-Direktor von Human Rights Watch, Wenzel Michalski, verteidigt. Volker Kauder hat auch ein Buch "Verfolgte Christen" geschrieben und zeigt Sympathien mit der evangelikalen Bewegung.

Focus hat ein Plädoyer "Der deutsche Staat muss die verfolgten Christen schützen" des CDU-Innenministers von Niedersachsen, Uwe Schünemann, veröffentlicht.

Vertreter von Human Rights Watch und Amnesty International sowie der UN-Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Heiner Bielefeldt (Erlangen), lehnen es ab, verfolgte Religionsgemeinschaften miteinander zu vergleichen. Alle bedrohten Minderheiten müssten geschützt werden. Bei der Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen sei es "nicht besonders hilfreich", wenn man die Religionen gegeneinander ausspiele.

Open Doors, christlich-missionarisches Hilfswerk

Open Doors interessiert sich einseitig nur für die Christianisierung und das Wohlergehen der Christen. Für die oftmals verfolgten ethnischen Minderheiten, für die verfolgten religiösen Minderheiten (muslimische, jüdische, konfessionsfreie) interessiert sich Open Doors nicht. Dieser Fokus entlarvt die Interessen der "Hilfsorganisation".

Open Doors ist nicht, wie DIE ZEIT schreibt, eine "wohltätige Organisation, die sich für bedrängte christliche Gemeinden und Individuen einsetzt", sondern ein Missionswerk und Mitglied der Evangelischen Allianz, ein Zusammenschluss so genannter "bibeltreuer" evangelikaler Christen, die Mission und Evangelisation als ihre Hauptaufgabe betrachten.

Das "Hilfswerk" Open Doors wurde 1955 durch einen Holländer initiiert, der unter dem Namen "Bruder Andrew" oder der "Schmuggler Gottes" bekannt wurde, da er in seinem VW-Käfer Bibeln in die Staaten des Ostblocks schmuggelte. Der Name der Organisation leitet sich aus der Bibel ab: "Werde wach und stärke das andere, das sterben will!" (Offb. 3,2) und "Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und niemand kann sie zuschließen." (Offb. 3,8)

In der Selbstdarstellung der Organisation heißt es: "Im Mittelpunkt steht der Dienst an verfolgten oder benachteiligten Christen. Ziel ist, sie in ihrem Glauben zu stärken, damit sie auch in einer feindlich gesinnten Umwelt das Evangelium verkünden." Und als Auftrag von Open Doors wird als erstes genannt: "Wir stärken die Kirche, den Leib Christi, wo sie verfolgt und unterdrückt wird, indem wir für ihre Bedürfnisse sorgen: mit Bibeln, Schulungsmaterial, Ausbildungskursen und sozialer und humanitärer Hilfe."

Laut dem Jahresbericht der Organisation Open Doors wurden im Jahr 2010 ca. 3,4 Millionen Bibeln, Kinderbibeln und andere Literatur in 50 Ländern verteilt. Über die Einnahmequellen und das Budget der Organisation finden sich im Jahresbericht keine Angaben.

Dass diese evangelikalen Organisationen beträchtliche Mittel über Spenden einwerben können, ist schwer erklärbar. Der Hintergrund christliche Kirche und die Bilder mit Kindern, Armut und Not sind für die Sammlung von Spenden offensichtlich hilfreich und die Verwendung der Mittel wird nicht weiter hinterfragt. Die Bilder von Trockenheit, Überschwemmungen, Naturkatastrophen, Hunger in Afrika, etc. wirken und lassen die Spendengelder an missionarische Hilfsorganisationen fließen. So baut sich die Kirche sogar ein positives Image auf.

Islamische (Bruder-)kämpfe - den Islamisten ist nichts heilig!

Vielerorts bekämpfen radikale Islamisten nicht nur vorgeblich "Ungläubige", sondern auch andere islamische Religionsgruppen, die nicht derselben (radikalen) Denkschule folgen. Das schließt ein, dass Islamisten Bomben auf Moscheen und Moscheebesucher werfen. Sunniten gegen Schiiten, Radikale gegen gemäßigte.

In Mali werden von "Steinzeit"-Islamisten (Anmerkung: die Bewaffnung dieser Gruppen stammt aus den Beständen Libyens - dem vorhergehenden "Einsatzgebiet"), die gegen die Totenkultur und Heiligenverehrung sind, Mausoleen zerstört, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören und die sterblichen Überreste islamischer Gelehrter und historische Schriften beherbergen.

In Afghanistan sind die Buddha-Statuen der Zerstörungswut der Taliban zum Opfer gefallen.

Im Islam gibt es viele unterschiedliche Abspaltungen und Richtungen die sich uneins sind. Darunter gibt es gemäßigte Bewegungen (Muslimbruderschaft, Ennahda, ..), aber auch militante religiös-fundamentalistische Gruppierungen (Hisbollah, Islamisten, Salafisten, Taliban, ...) und als Sekten eingestufte Abspaltungen.

Es gibt auch Gruppierungen und Despoten, die lediglich ihre Macht im Namen des Islam ausüben und Geschäfte betreiben inklusive Entführungen, Erpressungen, Drogenhandel, Piraterie, ... Auch Terroristen berufen sich auf den Islam und den Auftrag des militärischen Kampfes ("Heiliger Krieg", Dschihad) im Koran und der Sunna. Leider hört man selten islamische Führer und Religionsgelehrte, die sich vernehmlich dieser Entwicklung entgegen stellen. Angeblich soll der Islam doch eine friedliche Religion sein.

Der Islam verstehe sich als dem Christentum überlegen. Wo der Islam in der Minderheit ist, ist er tolerant - wo er die Mehrheit hat, kennt er oft keine Religionsfreiheit in unserem Sinn. Wo eine der konkurrierenden islamischen Gruppierungen dominant ist, werden auch andere islamische Gruppierungen mehr oder weniger offen oder verdeckt schikaniert, verfolgt, unterdrückt, terrorisiert, bekämpft. Oft kommt Korruption hinzu. In manchen Ländern ist die Wirtschaft teilweise unter der Kontrolle des Militärs oder fließen Einnahmen aus dem Ölgeschäft in die Taschen von korrupten Machtinhabern.

Das waren die Auslöser z. B. für den Aufstand in Tunesien, Libyen, Ägypten und Syrien und das ist die Ursache für Auseinandersetzungen in Pakistan genauso wie im Irak.

Den Missbrauch einer Religion für die Machtausübung kennt man auch aus unserer Geschichte - es ist leider nichts Neues. Viele der Terroristen und Gefolgsleute können auch nichts anderes und haben gelernt, sich auf diese Art und Weise durchzuschlagen.

In islamfreundlichen Staaten werden nicht nur Christen benachteiligt oder verfolgt, sondern u.a. auch Ex-Muslime. Der Wechsel von einer muslimischen Religion zum säkularen Muslim oder Atheist steht unter Strafe, teilweise unter Todesstrafe, da der "Abfall vom Glauben" im Koran als Sünde verdammt wird.

Um nicht einseitig zu erscheinen, sollte man ergänzend darauf hinweisen, dass es friedliche islamische Richtungen gibt, die die Gleichberechtigung der Frau anerkennen, die nicht die Scharia als Rechtssystem durchsetzen wollen und die mit den Rechten und Pflichten einer Demokratie ohne Konflikte leben können. Von diesen Muslimen hört man aber wenig. Teils liefern sie keinen Konfliktstoff, teils wagen sie wohl nicht ihre Stimme zu erheben, um nicht selbst zur Zielscheibe radikaler Islamisten zu werden.

Atheistenverfolgung in Afrika, Ex-Muslime, ...

Am Beispiel Nigerias kann man exemplarisch aufzeigen, wie schwer es für einen Muslim ist, sich als Atheist zu outen. Das gilt im Prinzip für ganz Afrika und weitere Teile der Welt. In Nigeria z. B. ist Atheismus ein Tabu, Ungläubige haben einen sehr schweren Stand, ein normales Leben zu führen, sobald sie sich outen. Im muslimisch dominierten Norden, meint Leo Igwe, Begründer der humanistischen Bewegung in Nigeria, gebe es nur zwei Orte für Atheisten: die Verborgenheit oder das Grab.

Die humanistische Bewegung in Nigeria ist nicht stark, denn es gibt großen sozialen, politischen und auch gewalttätigen Druck, sich zu einer Religion zu bekennen beziehungsweise religiös zu bleiben. Das gilt für Nigeria und auch für ganz Afrika.

Vor allem im Norden in den Scharia-Staaten ist es nicht so, dass die Regierung Humanisten unterstützt, akzeptiert oder schützt. Im Norden Nigerias (arme Region, überwiegend muslimisch orientiert - im Gegensatz zu der reicheren südlichen Region, die überwiegend christlich orientiert ist) kann jeder, der sich als Atheist zu erkennen gibt, von den Behörden ins Gefängnis geworfen oder durch Fanatiker ermordet, gesteinigt oder enthauptet werden.

In vielen Ländern wäre eine Organisation wie der "Zentralrat der Ex-Muslime" nicht vorstellbar. Innerhalb der muslimischen Glaubensgemeinschaft gilt der "Abfall vom Glauben" als Todsünde und wird entsprechend bestraft. Leider stellt der Abfall vom muslimischen Glauben sogar in Deutschland ein Tabu dar. Siehe auch Information über die Kampagne des Zentralrats der Ex-Muslime in Deutschland.

Die beiden Kirchen als bevorzugte Partner deutscher Entwicklungshilfe

Die deutsche Entwicklungshilfe fließt bevorzugt in christlich gesteuerte Projekte, die überwiegend vom Steuerzahler finanziert werden. (Siehe auch: Carsten Frerk, Violettbuch Kirchenfinanzen - wie der Staat die Kirchen finanziert). "Christliche" Hilfsaktionen sind mehr oder weniger verdeckte missionarische Aktionen!

Die Stiftung "Brot für die Welt" ist die Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe; das bischöfliche Hilfswerk "MISEREOR" ist die Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe. Diese beiden Organisationen sind Ansprechpartner und Hauptempfänger von öffentlichen Mitteln. Sie haben im Jahr 2011 jeweils mehr als 100 Millionen öffentliche Mittel erhalten.

Die Zusammenarbeit Kirchen/Staat wurde von Adenauer eingeführt und besteht unverändert seit mehr als 50 Jahren. Zahlen und Fakten: Die öffentlichen Mittel gehen in etwa paritätisch an evangelische und katholische Entwicklungshilfeeinrichtungen. Im Jahr 2011 hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ dafür 233,3 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Diese Mittel werden frei von politischen Auflagen zur Verfügung gestellt: Einzige Bedingung: Die Kirchen dürfen die Steuermittel nicht für Verkündungsprojekte einsetzen. Siehe: 50 Jahre Kooperation von Staat und Kirchen in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Hilfe wird vorrangig für Maßnahmen der Bildung, der Gesundheit und andere soziale Zwecke bereitgestellt. Die Kirchen müssen zu den Projekten mindestens 25 % Eigenmittel bereitstellen. Seelsorgerische Maßnahmen, insbesondere der Verkündigung, sind von der öffentlichen Hilfe ausgenommen; hierfür müssen ausschließlich kirchliche Mittel verwendet werden.

Laut Jahresbericht 2011 wurden beim Evangelischen Entwicklungsdienst ziemlich genau die geforderten 25% Eigenmittel (46,1 Millionen Euro) eingesetzt; während bei dem bischöflichen Hilfswerk MISEREOR lediglich 4,6% Eigenmittel (8,3 Millionen Euro) an kirchlichen Haushaltsmitteln eingesetzt wurden.

Zusätzlich werben die Kirchen in Deutschland noch Spendenmittel und Kollekten ein. Die Ausführung der Entwicklungshilfeprojekte und Katastrophen-Hilfsmaßnahmen erfolgt in den Empfängerländern über Partnerorganisationen und kirchliche Einrichtungen vor Ort. Die Finanzierung der Projekte erfolgt überwiegend mit öffentlichen Mitteln; die Kirchen profitieren von den positiven Erfahrungen der betroffenen Menschen mit der Kirche. Entwicklungshilfe und Kircheninteressen gehen Hand in Hand. Die Kirchen verfolgen nach wie vor die Absicht der Missionierung, aber die missionarische Neuorientierung erfolgt indirekt und verdeckt, statt vordergründig.

Das bischöfliche Hilfswerk MISEREOR hat im Jahr 2011 insgesamt 181 Millionen Euro eingenommen. Neben 62,9 Millionen Euro aus Kollekten und Spenden (Anteil: 34,7%) wurden Misereor 107,4 Millionen Euro (Anteil: 59,3%) aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), sowie 8,3 Millionen Euro aus kirchlichen Haushaltsmitteln zur Verfügung gestellt (Anteil 4,6%).

Die Stiftung "Brot für die Welt" ist Teil des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V. (DW EKD). Die Stiftung Brot für die Welt und der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), die mittlerweile zusammengeführt sind, haben laut Jahresbericht und EED-Arbeitsbericht über 248 Millionen eingenommen, davon stammen 61,6 Millionen Euro aus Spenden und Kollekten(Anteil: 24,8%); 127,4 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln (Anteil 51,3%).

Misereor arbeitet in der Regel in den Empfängerländern mit ortsansässigen Partnerorganisationen zusammen. Misereor-Partner kommen aus Ortskirchen, Missionsorganisationen, Caritas, Missio, Selbsthilfeinitiativen, Kooperativen, Menschenrechtsgruppen und anderen nichtstaatlichen Organisationen. Partner sind vielfach Rechtsträger der katholischen Kirche (Diözesen, Orden, Bischofskonferenzen). Unter den Partnerorganisationen findet man z. B. Das Missionsärztliches Institut in Würzburg und das Kindermissionswerk "Die Sternsinger". Diese Organisationen erhalten direkt keine öffentlichen Mittel vom BMZ und sind offen missionarisch tätig. Diese Organisationen erhalten jedoch als Partnerorganisationen von MISEREOR und Caritas in den Empfängerländern Aufträge und Geldmittel und damit indirekt auch öffentliche Mittel des BMZ.

Weitere kirchliche Hilfsorganisationen

Es gibt viele weitere kirchliche Hilfswerke: Adveniat, Caritas-International, Diakonie-Katastrophenhilfe, Johanniter-Auslandshilfe, Katholischer Missionsrat, Kolpingwerk, Missio, Renovabis, Deutsche Missionsgesellschaft International, World Vision Deutschland, Open Doors, ..).

Im Jahr 2011 haben neben den Hauptempfängern MISEREOR und Brot für die Welt weitere Organisationen öffentliche Mittel in geringerem Umfang und aus verschiedenen Quellen (verschiedene Projekten des BMZ, Auswärtiges Amt, EU) erhalten, u. a. Caritas-International (18,5 Mio. Euro), das katholische Kolpingwerk (7,5 Mio. Euro), Adveniat (5,5 Mio. Euro), Diakonie-Katastrophenhilfe (8 Mio. Euro), World Vision Deutschland (10,8 Mio. Euro).

Das katholisch Kolpingwerk hatte im Jahr 2011 laut Jahresbericht Einnahmen in Höhe von ca. 10,1 Millionen Euro, davon der überwiegende Teil (75%) aus öffentlichen Mitteln des BMZ und 2,2 Millionen (22%) aus Spenden.

World Vision: Die Einnahmen aus zweckgebundenen Patenschaftsbeiträgen betrugen im Jahr 2011 57,5 Millionen Euro. Die Einnahmen von World Vision aus Spenden betrugen ca. 12 Millionen Euro. Die Einnahmen von Kooperationspartnern betrugen 10 Millionen Euro. Vom Gesamtbudget ohne zweckgebundene Patenschaftsbeiträge stammen demnach 31,7% direkt aus öffentlichen Mitteln und 35,1% aus Spenden.

World Vision Deutschland (WVD) wirbt offiziell für Kinderpatenschaften und Hungerhilfe, veranstaltet auch vermeintlich neutrale Musikkonzerte - und soll "nebenbei" inoffiziell Bibeln verteilen.

World Vision Deutschland arbeitet als Mitglied des christlich-evangelikalen Dachverbandes World Vision International (WVI) vor dem für alle WVI-Partner verbindlichen christlichen Selbstverständnis ("Core Values"), das auf die Bewegung des evangelikalen Erweckungspredigers Billy Graham und das daraus entstandene evangelikale World Vision Vereinigte Staaten zurück geht. WVI wird als evangelikal eingeordnet.

Zum Thema Kinderpatenschaften, die World Vision und das Kindermissionswerk "Die Sterntaler" vermitteln, wird terre des hommes häufig angefragt und hat eine bemerkenswerte Position dazu ausgearbeitet: "Kinderpatenschaften sind unserer Ansicht nach nicht vereinbar mit den bewährten Prinzipien einer wirksamen und nachhaltigen Entwicklungsarbeit und ihrer Darstellung in der Öffentlichkeit."

Öffentliche Gelder für missionarisch tätige christliche Organisationen

Wie oben dargestellt, finanzieren sich einige christliche Hilfsorganisationen überwiegend aus staatlichen Zuschüssen. Die beiden größten Empfänger von öffentlichen Mitteln vermeiden den Anschein missionarischer Interessen. Andere Empfänger öffentlicher Mittel wie Kolpingwerk und World Vision treten durchaus missionarisch auf. Spenden- und kirchenfinanzierte christliche Hilfsorganisationen wie Open Doors, Kindermissionswerk, Missio sind im Auftritt offen missionarisch.

Es ist wegen der mangelnden Transparenz der vielfältigen christlichen Einrichtungen mühsam, diese Informationen zusammenzutragen und zu einem vollständigen, objektiven Bild zu gelangen.

Diese Zusammenhänge werden in Deutschland verborgen gehalten. Statt Trennung von Kirche und Staat überwiegen gemeinsame Interessen von Politikern und Kirchenvertretern zur gegenseitigen wohlwollenden Unterstützung. In Köln nennt man solche Zustände "Klüngel" - ein System auf Gegenseitigkeit beruhender Hilfeleistungen und Gefälligkeiten "eine Hand wäscht die andere". Hier wäre Transparenz und eine Trennung von Kirche und Staat heilsam.

Missionsarbeit wird in der Öffentlichkeit in Deutschland kritisch wahrgenommen; öffentliche Geldgeber stellen ihre Mittel dafür nicht zur Verfügung und in den Empfängerländern ist Missionsarbeit teils verboten oder unerwünscht. In den Unterlagen von MISEREOR und Brot für die Welt, z. B. in Projektberichten und Jahresberichten findet man kaum Hinweise auf missionarische Absichten. Offiziell bestreitet das bischöfliche Hilfswerk MISEREOR missionarische Absichten. Eine ähnliche Sichtweise darf man auch von der Stiftung Brot für die Welt erwarten.

Missionsverständnis katholische Kirche und katholische Einrichtungen

Die katholische Kirche ist ihrem Wesen nach "missionarisch". Wer das nicht glaubt oder bestreitet, kann es auf einer katholischen Internetseite unter den Stichworten "Missio", "Mission" nachlesen:

Mission
Lat. missio = "Auftrag, Sendung"; die Verkündigung des Evangeliums unter Nichtchristen. Gemäß dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist die kath. Kirche ihrem Wesen nach "missionarisch". Es ist urchristlicher Auftrag, den Glauben an den auferstandenen Jesus zu verkünden ("Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen", Mk 16, 15; "Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern!", Mt 28, 19). In der Reflexion des eigenen Verhaltens hat sich die Kirche von gewalttätiger Mission in der Vergangenheit distanziert und Fehler eingestanden. Der christliche Missionsauftrag kann nur so erfüllt werden, dass sich Menschen von einem überzeugend gelebten Glauben ansprechen lassen.
Missio
Lat. "Sendung"; internationales kath. Missionswerk mit Sitz in Aachen und München, 1832 gegründet, eines von weltweit über 100 päpstlichen Missionswerken. Seine Aufgabe besteht darin, partnerschaftliche Beziehungen zu den Kirchen in Afrika, Asien und Ozeanien zu unterhalten, Projekte dieser Kirchen zu unterstützen und in Deutschland Bewusstseinsbildung zu leisten. Finanziert werden diese Projekte überwiegend aus Spenden und dem Ergebnis der Kollekte am Weltmissionssonntag, aber auch aus Kirchensteuermitteln.

"Weltkirche katholisch" zum Thema "Mission" (Auszug): Die Kirche ist daher wesentlich "missionarisch", es geht um Inkulturation auf allen sechs Kontinenten. Auch Johannes Paul II. betonte in seiner Missionsenzyklika Redemptoris missio (1990), dass die Kirche zu neuen Ufern aufbrechen müsse und nahm daher neue soziale Welten wie Armut, Großstädte und Migranten in den Blick. Missionarische Tätigkeit im integralen Sinn umfasst neben dem Lebenszeugnis und der Verkündigung den Einsatz im Bildungs- und Gesundheitswesen und in der Entwicklungszusammenarbeit.

"Die missionierende Weltkirche ist eine kommunikative Lerngemeinschaft, eine spirituelle Gebetsgemeinschaft und eine diakonische Solidargemeinschaft."

Die deutschen Katholiken unterstützen die Weltkirche mit den kirchlichen Hilfswerken und den missionierenden Orden, aber auch durch die zahlreichen Gruppen und Initiativen, die sich für die Eine Welt einsetzen. Die deutschen Bischöfe haben mit dem Dokument Allen Völkern Sein Heil (2004) programmatisch dazu beigetragen. Sie sehen eine missionierende Weltkirche als kommunikative Lerngemeinschaft, als spirituelle Gebetsgemeinschaft und als diakonische Solidargemeinschaft.

Beispiel Kolpingwerk: Aus dem Grundsatzdokument des Kolpingwerkes und Themenheften, die über die Kolpingarbeit berichten, lassen sich zahlreiche Beispiele zitieren, die zeigen, dass Entwicklungshilfe (z. B: Bildungsarbeit) und Kircheninteressen Hand in Hand gehen. Das Wort "Mission", das in MISEREOR-Publikationen offensichtlich vermieden wird, taucht beim Kolpingwerk in dem Grundsatz-Dokument häufig auf. Hinweise auf Bibelverteilung kann man im Themenheft "15 Jahre Kolpingarbeit in Modawien" finden.

Beispiel Missionsärztliches Institut Würzburg: der Weihbischof überreicht Missionskreuze und Urkunden an die Ärztinnen die in Einsatzgebiete ausreisen. Das Missionskreuz erinnert an die Volksmissionen früherer Jahrhunderte.

Es gibt viele weitere katholische Missionswerke, Franziskanermission, ...

Missionsverständis evangelischer Einrichtungen

Brot für die Welt/Evangelischer Entwicklungsdienst EED: In einer Festschrift des Evangelischen Entwicklungsdienstes wird der Zusammenhang von Mission und Entwicklung von allen Seiten beleuchtet: Die historische Situation, die Zeit der Kolonialisierung und Missionierung, die heute geforderte Distanz zu jeglichem missionarischen Anspruch - um den staatlichen Vorgaben zu entsprechen und damit beachtliche staatliche Mittel über Kirchen und kirchliche Partner zur Entwicklungsarbeit zu nutzen. Durch die Arbeitsteilung mit Partnern vor Ort, Partnerkirchen und Missionswerken kann die Arbeitsteilung des Entwicklungsdienstes der Kirchen zugleich sachlich-kompetent und spirituell anziehend sein.

Missionsverständis der Brüdergemeinde Korntal (Auszug): Die Brüdergemeinde Korntal ist seit ihren Anfängen eine missions-orientierte Gemeinde. Heute geschieht Aussendung und Unterstützung von Missionaren in Zusammenarbeit mit verschiedenen evangelikalen Missionsgesellschaften. Der Auftrag Jesu ist unmissverständlich (Mk. 16,15): "Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur!" So sendet Jesus auch heute Jünger als seine Zeugen in die Welt (Joh 20,21; Apg 1,8). Gemeindeaufgabe ist, Missionare auszusenden und zu unterstützen. (Apg 13,1-3; Phil 4,10ff).

Missionsverständnis der Deutschen Missionsgemeinschaft (DMG) (Auszug): Im christlichen Sinne bedeutet Mission: die Sendung von Christen in die Welt. Das beginnt in der eigenen Familie und im Bekanntenkreis und reicht bis hin zu fremden Völkern. Christen verstehen sich als Menschen, die von Gott großzügig beschenkt worden sind und diesen Reichtum mit anderen in Wort und Tat teilen möchten. Dies gilt besonders für Menschen in Not, denn Christen sehen jeden Menschen an als: im Bild Gottes geschaffen und damit von unendlichem Wert und mit unvorstellbarer Würde ausgestattet.

Missionsverständnis der Liebenzeller Mission (Auszug): Das Evangelium ist immer Gottes Angebot und Einladung, das Menschen freiwillig annehmen oder ablehnen können. Wir üben deshalb keine Manipulation aus und lehnen aggressive, militante Missionierung ab. Wir laden zum persönlichen Glauben ein (2.Korinther 5,20).

Es gibt über 90 evangelische Missionsgesellschaften und Ausbildungsstätten, die sich als Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen e.V. (AEM) zusammengeschlossen haben.

Ein weiterer Zusammenschluss, eine Initiative evangelischer Missionswerke, Verbände und Kirchen unter dem Dach des Evangelischen Missionswerkes in Deutschland e.V. (EMW) ist Mission.de. Partner sind u.a. zwölf Missionswerke, fünf Verbände und sechs Kirchen. Der Direktor des EMW über "Mission und Entwicklung": "Missionsbewegte Zeiten - das wäre wohl übertrieben. Aber »Mission« entwickelt derzeit doch eine gewisse Dynamik. Nicht nur dort, wo es um ihre Bedeutung für wieder wachsen wollende Gemeinden und Kirchen bei uns und anderswo geht." Eine von vielen Arbeitshilfe von mission.de für ist die Bibelarbeit und Entwicklungshilfe ist die Broschüre "Frieden und Mission".

Wie die Evangelische Kirche Deutschlands eine "sanfte" Missionierung von Atheisten und Muslimen in Deutschland vertritt, wird in einem Interview "Evangelische Kirche will missionieren" (Welt) deutlich.

Fazit: Die Zahl der Missionswerke, Verbände, Arbeitsgemeinschaften ist verwirrend. Über die Hilfe mit missionarischem Hintergrund besteht bei den christlichen Hilfsorganisationen kein Zweifel. Lediglich die direkten Hauptempfänger von Entwicklungshilfemitteln des BMZ, MISEREOR und Brot-für-die Welt vermeiden entsprechende Formulierungen und jeglichen Anschein der Missionierung. Bei den vor Ort eingeschalteten Partnerorganisationen, Ortskirchen, etc. sind die missionarischen Absichten offensichtlich, manchmal subtil im Hintergrund, manchmal offensiv.

Bibelverteilung in islamischen Ländern / Koranverteilung in Deutschland

In Deutschland klingt es zunächst harmlos, wenn christliche orientierte Organisationen jährlich Millionen Bibeln und andere christliche Traktate in islamischen Ländern verteilen.

Um die öffentliche Wirkung in muslimischen dominierten Regionen zu verstehen, sollte man sich in Erinnerung rufen, welches Echo die Koranverteilung durch islamische Salafisten im Jahr 2012 in Deutschland ausgelöst hat. Es hat nicht lange gedauert, bis der öffentliche Druck auf die Druckerei dazu geführt hat, dass diese keine Koran-Ausgaben mehr gedruckt hat. Auch der Verfassungsschutz kritisiert die Koran-Verteilung. Die Ulmer Druckerei hat den Druck eingestellt, nachdem von den 25 Millionen geplanten Exemplaren 300.000 gedruckt waren.

Nach dieser Erfahrung in Deutschland sollte man sich nicht länger wundern, dass christliche Missionierung und Bibelverteilung in islamischen Ländern ebenfalls Ressentiments auslöst.

Aktivitäten der Bibelverteilung werden bei Open Doors und beim katholischen Kindermissionswerk "Die Sternsinger" offen dokumentiert. Open Doors schein keine öffentlichen Mittel zu erhalten. Das Kindermissionswerk erhält dem Anschein nach indirekt einen beträchtlichen Anteil an öffentlichen Mitteln in Höhe von über 18 Millionen Euro, über die Finanzierung von "Projektpartnerschaften". Beim Kolpingwerk, das sich auch überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert, gibt es einzelne Hinweise auf Bibelverteilung. Von World Vision gibt es Hinweise zur Bibelverteilung (3,1 Mio. Bibeln im Jahr 2011) aus inoffiziellen Berichten. Auf welchen Wegen die von verschiedenen Bibelgesellschaften für die kostenlose Verbreitung in allen Sprachen und teilweise sogar in Dialekten gedruckten Bibeln ihre Empfänger finden, ist spärlich dokumentiert und schwer nachvollziehbar.

Missionierung ist ein Übel

Missionierung ist ein Übel und bekanntermaßen das Ziel jeder religiösen Organisationen. Sie darf vom deutschen Staat nicht unterstützt werden.

Die Mehrheit der Deutschen will keine vom Steuerzahler finanzierten christlichen Missionen und christliche Entwicklungshilfe im Ausland. Andere Nationen und viele neutrale Hilfseinrichtungen leisten Entwicklungshilfe ohne dies "Amtskirchen" anzuvertrauen.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt sagt sehr deutlich in seiner Weltethos-Rede in Tübingen: "Dem Ziel des Friedens dient es nicht, wenn die Gläubigen und die Priester einer Religion versuchen, die Gläubigen einer anderen Religion zu bekehren und zu missionieren. Deshalb stehe ich dem Grundanliegen der Mission des Glaubens mit tiefer Skepsis gegenüber." Dieselbe Aussage findet man in seinem Buch "Religion in der Verantwortung: Gefährdungen des Friedens im Zeitalter der Globalisierung".

Es wäre für die Bundesregierung angebracht sich von missionarischen christlichen Bewegungen zu distanzieren. Es wäre wünschenswert, wenn sich anderen anschließen, insbesondere auch führende Vertreter der religiösen Bewegungen.

Werner Koch

Anlage: Einkünfte der Hilfsorganisationen