Leserbriefe und öffentliche Meinungsäußerung

25.06.2014: Leserbrief

Referenz: Die Vorschrift des Reichskonkordats gilt
Stuttgarter Zeitung, Mittwoch, 25. Juni 2014

Der nachfolgende Leserbrief wurde in der Stuttgarter Zeitung am 1. 7. veröffentlicht.

Ein Kompliment an die Redaktion für den Bericht über eine unzeitgemäße Veranstaltung - den Treueeid nach den Vorschriften des Reichskonkordats von 1933. Wenn nach zeitgemäßeren Lösungen gesucht wird, bleibt zu hoffen, dass der Treueeid nicht in Hinterzimmer verlagert, sondern abgeschafft wird – und das veraltete Religionsrecht endlich entrümpelt wird. Vieles im Verhältnis von Staat und Kirche ist veraltet, nicht mehr zeitgemäß  und reformbedürftig. Kirche und Staat sollten sich nicht länger den überfälligen Reformen verweigern. Die Ablösung der Staatsleistungen an Religionsgesellschaften gem. Art 140 GG und Art 138 der Weimarer Reichsverfassung (11.08.1919) z. B. lässt seit 95 Jahren auf sich warten.

Angesichts des hohen Anteils von konfessionsfreien und andersgläubigen Bürgern (z. B. in Stuttgart 48,6%, Stand 31.12.2013) sind die Privilegien der Religionsgemeinschaften (bei gleichzeitiger Diskriminierung der konfessionsfreien Bürger!), das kirchliche Arbeitsrecht, die Verweigerung des Ethikunterrichts an Grundschulen (bei gleichzeitiger Ausdehnung des Religionsunterrichts auf Islamunterricht) u.v.a.m. nicht mehr vertretbar.

Die Presse sollte die Institution Kirche und das Verhältnis Staat-Kirche unter diesem Blickwinkel kritischer beleuchten. Die „hinkende“ Trennung von Staat und Kirche ist nicht länger hinnehmbar; gefordert ist die Trennung von Staat und Kirche. Religion ist Privatsache und keine Staatsangelegenheit – auch wenn das den beiden Großkirchen nicht gefällt.

W.K.

Anmerkung: Der letzte Halbsatz wurde bei der Veröffentlichung weggelassen.

 

01.03.2014: Gast-Kommentar zu: Sexuelle Vielfalt im grün-roten Bildungsplan

In der Waiblinger Kreiszeitung erschien der Artikel "Aufklärung statt Vorurteile" unseres Pressesprechers Dieter Kaiser. Untertitel: Giordano-Bruno-Stiftung beteiligt sich heute an der Demonstration für den grün-roten Bildungsplan.

Siehe auch die Stellungnahme der GBS Stuttgart

 

18.01.2014: Leserbrief

Zum Artikel "Sternsinger machen Station im Kreishaus" vom 4. Januar 2014 in der Stuttgarter Zeitung (Regionalteil Rems-Murr)

Ablasshandel

Ich kann die vielen positiven Berichte über die Sternsinger-Bewegung in ihrer Zeitung nicht nachvollziehen. In meinen Augen ist dieser religiöse Brauch weder niedlich noch edel, sondern ein zweifelhaftes Spektakel zum Eintreiben von Geld im Namen der Kirche. Die Gutgläubigkeit der Sternsinger wird dabei ausgenutzt, weil man ihnen weismacht, ohne ihre Aktion gäbe es nicht genug Geld für wohltätige Zwecke. Ein Ärgernis ist es aber, wenn die Sternsinger ihren Segen als Gegenleistung für eine Geldspende erteilen. Das erinnert mich an einen modernen Ablasshandel.
Die Kirchen in Deutschland könnten ihre Unterstützung für bedürftige Kinder auch ohne die von den Sternsingern gesammelten Gelder leisten. Wie wir aus dem Vorgang in Limburg wissen, leiden die Kirchen nicht unter finanziellen Problemen. Beiträge, wie sie bei den Spendenaktionen zusammenkommen, könnten sie leicht aus der Portokasse bezahlen. Dafür müssten sie die gutgläubigen Sternsinger nicht von Haustür zu Haustür schicken.
Als problematisch sehe ich auch an, wenn staatliche Stellen wie die Kreisverwaltung als Spender öffentlich auftreten. Dieses Geld kommt bestimmt nicht aus dem privaten Portemonnaie des Landrates, sondern sicherlich von einem Sonderkonto des Kreises und damit vom Steuerzahler. Die Anerkennung hierfür heimst aber die Kirche ein.
Ihre Zeitung wäre gut beraten, die Sternsinger-Bewegung kritisch zu hinterfragen anstatt euphorisch hoch zu jubeln. So sollten sie darlegen, wohin das eingesammelte Geld fließt. Nach meiner Kenntnis geht es auch in die Missionsarbeit und somit in pastorale Aufgaben wie Bibelstunden und nicht nur in Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen der bedürftigen Kinder.

 

20.12.2013: Leserbrief

Leserbrief bezüglich des Artikels "So wahr uns allen Gott helfe" der "Kolumne Politisch Inkorrekt" der Rheinischen Post.

Sehr geehrter Herr Journalist der RP,
(leider habe ich keinen Namen bei Ihrem Artikel finden können)

Hier eine wesentliche Richtigstellung >>> Ihrer Aussagen:

1.- Manche hohen Damen waren sogar in der "Humanistischen Union" aktiv,
>>> Bis zur Gründung eine eigenen Partei wird das notwendig sein.

2.- einer Art Freizeitclub,
>>> Die Humanistische Union befasst sich nicht im Wesentlichen mit der Organisation und Durchführung von Freizeit-Aktivitäten, wie Sport, Ausflügen usw.

3.- dessen Vereinsziel darin besteht, andere Menschen vom Glauben an Gott abzubringen.
>>> Die HU tritt für die Freiheit FÜR die Wahl einer Religion, aber auch VON einer Religion ein. Bitte mal das Manifest lesen, statt aus Verblendung heraus Behauptungen aufzustellen!

4.- Machen wir uns aber nichts vor: Politiker, die einen Halbsatz mit "Gott" sprechen, sind nicht unbedingt besonders christlich.
>>>Sehr wahr, aber es bringt Wählerstimmen beim unaufgeklärten Wahlvolk. Sich christlich zu nennen und christlich zu handeln sind seit Jahrtausenden sehr unterschiedliche Dinge.

5.- dass Deutschland in einer christlich-abendländischen Tradition steht, die  . . . unsere Rechtsordnung bis heute entscheidend prägt.
>>> Die ethischen Werte der orientalischen Welt von den Ägyptern bis zur Antike, also Jahrhunderte vor J.C. Geburt haben unsere Rechtsordnung geprägt. Sie wurde durch das Christentum mit Gewalt bekämpft und verdrängt. Die Ägypter hatten bereits die 10 Gebote in einer negierten Form (Moses hat sie übernommen), die Griechen hatten bereits eine sogenannte Charta der Menschenrechte. Der Vatikanstaat hat eine solche bis heute nicht unterschrieben.

6.- Das Gebot der Nächstenliebe etwa, das uns verpflichtet,  . . .
>>> Dieses Gebot gab es bereits in anderen Religionen vor J. C. Also: auch nur dort abgeschaut!

7.- wie uns andere, atheistisch geprägte Systeme leidvoll bewiesen haben.
>>> Systeme, die bei den etablierten Kirchen ihre Unterstützung gefunden haben, so wie der Katholik Hitler. Sie haben allerdings keine humanistischen Zielsetzungen gehabt.

Also, bitte Herr Journalist: die Geschichte studieren, bevor Sie vom blinden Glauben besetzte Behauptungen aufstellen. Aber dabei nicht nur gläubige, parteiische Historiker lesen. Die Evangelisten sind keine Historiker sondern wie die Gebrüder Grimm Sammler von Erzählungen aus dem Volksmund. Als Brüder haben sie allerdings eigene Widersprüche in sich und Verdrehungen von Tatsachen vermieden und haben sich auf eine einzige Version vor der Veröffentlichung geeinigt, was die Kanonisierung der Evangelien nicht vermochte. (Siehe das Judas-Evangelium).

Mit freundlichen Grüßen und dem Wunsch nach Besserung

Dieter Kaiser

Presse-Sprecher
gbs-Stuttgart

 

26.10.2013: Artikel über Dieter Kaiser

In der Serie "Christentum heute" der Rems-Murr-Rundschau wird Dieter Kaiser interviewt. Er erläutert die säkularen Positionen der Giordano-Bruno-Striftung.

 

24.10.2013: Artikel Kretschmann vertritt die Interessen der Kirchen

Nach Besuch der Veranstaltung "Freiheit von|für|mit Religion" am 18.10.2013 verfasste unser Regionalgruppenmitglied einen Artikel für den Humanistischen Pressedienst.

 

07.03.2013: Presseinformation und Leserbriefe zu ProChrist 2013

Angesichts der mangelnden kritischen Begleitung der Missionierungsveranstaltung JesusHouse 2011 durch die lokalen Medien, haben Mitglieder der GBS-Regionalgruppe die Redaktionen im Vorfeld von ProChrist 2013 mit Informationsmaterial versorgt und Leserbriefe zu Artikeln über die scheinbar harmlose Veranstaltung verfasst.

Am 07.03. erschien im Teckboten Kirchheim der Artikel "Was Menschen glücklich macht". Folgender Leserbrief wurde wenig später abgedruckt.

Evangelikale auf dem Vormarsch
Wie der Artikel zu Pro-Christ zeigt, ist dieser Verein auch rund um Kirchheim aktiv. Viele Pfarrer sehen die sich leerenden Kirchen und unterstützen deshalb bereitwillig dessen charismatische Evangelisationsveranstaltungen. Was viele wahrscheinlich nicht wissen:
Pro-Christ nennt sich vielleicht nicht gern so, jedoch ist es der Szene der sogenannten „Evangelikalen“ zuzuordnen. Das sind christliche Fundamentalisten, welche die Bibel für das unfehlbare Wort Gottes halten. Daraus folgt die strikte Ablehnung der Evolutionslehre, man verlässt sich im 21. Jahrhundert lieber auf den Schöpfungsbericht der Bibel, die Erde sei in sechs Tagen geschaffen worden, dazu vor etwa 6000 (!) Jahren. Auch sind zum Beispiel Ablehnung von Homosexualität, Scheidung und Abtreibung sehr verbreitet. Zwar führen sie sich oft wie sozial engagierte Gutmenschen auf, im Hintergrund streben sie jedoch sehr zielstrebig nach gesellschaftlichem Einfluss, selbst in vom Steuerzahler bezahlten Bekenntnisschulen, auch mit dem Ziel, unsere säkulare Gesellschaft zu unterwandern.
Um für die beteiligten Kirchengemeinden neue Anhänger zu gewinnen, missioniert Pro-Christ kräftig, vor allem Jugendliche sollen gewonnen werden. Das machen sie vornehmlich in Massenevangelisierungsveranstaltungen wie „JesusHouse“ oder eben „Pro-Christ“, welche beide in der Porsche-Arena in Stuttgart stattfinden. Den „Impulsgottesdienst“, von dem hier gesprochen wird, halte ich für nichts anderes als Gehirnwäsche. Pro-Christ hat nicht nur viele Unterstützer in Politik und Wirtschaft wie Erwin Teufel oder Heinrich Deichmann, sondern auch viel Geld, wie sich anhand der massiven Werbung mit Infoständen und Plakaten bis nach Kirchheim vermuten lässt.
Da die Veranstaltung gerade von vielen Medien ziemlich unkritisch gefeiert wird, halte ich es für angebracht, auch ein kritisches Auge auf dieses Treiben zu werfen.
B.S.

 

Weitere Leserbriefe:

Referenz: StZ vom 25.2.2013 „ProChrist lädt zum Eintopf ein“

Sehr geehrte Redaktion, anbei ein Leserbrief zum Verein ProChrist

Der Verein ProChrist betreibt massiv Werbung für eine Evangelisationswoche in der Porsche-Arena. Alles kostenlos: Gaisburger Marsch, acht Abendveranstaltungen in der Porsche-Arena mit Musik und Künstlern – und Prediger Ulrich Parzany.
Was steckt dahinter? Eine ökumenische Allianz christlicher Kirchen, die sich an den amerikanischen Bewegungen ein Beispiel nimmt und versucht, damit Menschen wieder für den christlichen Glauben zu gewinnen: mit Emotion, Stimmung, Musik und charismatischen Predigten.
Es ist eine evangelikale Bewegung – ohne dass das Wort verwendet wird. Man spricht lieber von einer überkonfessionellen Bewegung. Evangelikal – das klingt zu sehr nach gefährlichem Irrsinn, nach Fernsehpredigern. Lieber sehen sich die Gemeinden als bibeltreu, pietistisch – ein bisschen mehr als „evangelisch“, schon beinahe katholisch.
Ebenso halten sie sich mit den fundamentalen Positionen zurück, weil man da sehr schnell auf Kritik und Ablehnung stößt: militante christliche Lebensschützer, die selbst nach einer Vergewaltigung gegen eine Abtreibung sind, kommen in der Öffentlichkeit nicht gut weg. Das hat selbst die rechte Tea-Party in den USA gelernt. Die Ablehnung der Homosexualität wird nur zurückhaltend geäußert. Auch die Wissenschaftsfeindlichkeit ist in der heutigen Zeit schwer zu erklären. Dennoch wird es versucht, indem man die Schöpfungsgeschichte, nach der die Erde und Menschheit 6.000 bis 10.000 Jahre alt sind, in christlichen Bekenntnisschulen zunächst neben die Evolutionsbiologie Darwins stellt. Man nennt das „Kreationismus“ oder die „akademisierte“ Variante: „Intelligent Design“. Eigentlich will man die Biologiebücher umschreiben und die biblische Schöpfungsgeschichte hineinschreiben. Da auch die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Geologie und Kosmologie, die Relativitätstheorie und die etablierten Altersbestimmungen mit der Schöpfungsgeschichte unverträglich sind, muss auch hier der Stand der Wissenschaft dogmatischen Erklärungen weichen.
Eine Allianz von christlichen Kirchen unterstützt diese Bewegung um wieder Anhänger zurück in die Kirche zu führen. Dass man dazu wissenschaftlich wieder auf ein mittelalterliches Niveau zurückfällt, nimmt man in Kauf. Für ein Land wie Deutschland, das auf Bildung, Wissenschaft und Technik angewiesen ist, eine bedauerliche Entwicklung.
Trotzdem: evangelikaler Fundamentalismus und seine Anhänger sind bis jetzt noch harmloser als islamistischer Fundamentalismus oder Nazi-Terror. Eine Erfahrung mit missionarischen fundamentalistischen Bewegungen lehrt uns jedoch: sie sind nur tolerant, solange sie in der Minderheit sind.

Freundliche Grüße
W.K.

 

Referenz: Hinweis auf ProChrist ("Was ist, wenn die Liebe stirbt?") in der Stadt-Rundschau Korntal-Münchingen vom 27.02.2013

Sehr geehrte Redaktion,

mit Besorgnis habe ich den Artikel über ProChrist 2013 gelesen. ProChrist ist vorrangig eine Missionierungsplattform evangelikaler Gruppierungen. Die Veranstaltungen sind mit viel Musik beladenen und besonders auf Jugendliche und Kinder (ProChrist für Kids) ausgerichtet.
Psychologisch geschickt wird darauf gesetzt, dass junge Leute zu wenig Selbstreflexion aufbringen können, um die erlebten Emotionen zu deuten. Ihnen wird das Bedürfnis und Erfahren von menschlicher Gemeinschaft als Sehnsucht nach Gott und Gegenwart Gottes verkauft. Die biochemischen Prozesse in den Gehirnen der Teilnehmer sind indessen dieselben wie beim Besuch von Bierzelt-Spektakeln oder Rock-Konzerten. Welche Weltanschauung in den Kirchengemeinden praktiziert wird, wird bewusst verdeckt gehalten.
Tatsächlich nehmen viele Evangelikale die Bibel beim Wort. Sie lehnen z.B. die wissenschaftlich anerkannte Evolutionstheorie ab und versuchen in mittlerweile 60 Bekenntnisschulen in Deutschland ihre aus der Bibel abgeleitete Schöpfungslehre zu etablieren. Im Zweifel stellen sie ihre Heilige Schrift über das Grundgesetz (z.B. [1], [2]).
Dieser Bezug auf eine absolute, unverhandelbare Wahrheit ist Merkmal des rückwärtsgewandten Weltbildes christlicher Fundamentalisten.
Unzählige Plakate, Banner, Flyer, der mediale Aufwand (Bibel TV, ERF) und nicht zuletzt die Belegung der Porsche-Arena für eine volle Woche (6000 Euro pro Tag) zeigen, welche finanziellen Mittel für das religiöse Missionierungsgebot [3] aufgewendet werden.

Anstatt Missionierung wäre im Sinne eines friedlichen Miteinanders religiöse Abrüstung geboten. Denn wie können Religionen (z.B. Christentum, Islam, Judentum) in einen konstruktiven Dialog treten, wenn jeder auf seiner „absoluten Wahrheit“ besteht und diese mit zunehmendem Eifer in der Welt verankern will?

ProChrist und die angeschlossenen evangelikalen Freikirchen sollten kritisch begleitet werden, um einer bedenkliche Fehlentwicklung, wie in den USA vorzubeugen. Dort besteht z.B. die politisch einflussreiche, rechts-konservative Tea-Party-Bewegung überwiegend aus christlichen Fundamentalisten, deren Meinungsbildung stark von populistisch-charismatischen Rednern beeinflusst wird.

Ein beunruhigter Leser

Quellen:
[1] Glaubensgrundsätze der Liebenzeller Mission (http://www.liebenzell.org/liebenzeller-mission/die-liebenzeller-mission/glaubensgrundsaetze/):
„Bekenntnis zum dreieinigen Gott und seinem unfehlbaren Wort. Die Heilige Schrift ist die letzte oberste Autorität in allen Fragen von Lehre und Leben.“
[2] Leitbild der Evangelischen Brüdergemeinde (http://bruedergemeinde-korntal.de/fileadmin/bilder/gemeindearbeit/Leitbild_Ev_Br_dergemeinde_Korntal.pdf):
„Wir nehmen in allen Glaubens- und Lebensfragen die Aussagen der Bibel als Maßstab. [...] Die Umsetzung biblischer Inhalte hat Vorrang gegenüber dem Festhalten an Traditionen oder vorgegebenen Formen.“ (Anm.: vorgegebene Formen = Grundgesetz?)
[3] Leitbild der Evangelischen Brüdergemeinde:
„Zum missionarischen Auftrag unserer Gemeinde gehört die Evangelisation in unserer unmittelbaren Umgebung ebenso wie die Förderung der Mission in unserem Land und in der Welt.“

 

 

15.02.2013: Artikel Christenverfolgung, Mission und Open Door

Eine leicht modifizierte Version des Artikels wurde im Humanistischen Pressedienst veröffentlicht.

 

25.01.2013: Leserbrief zur Milieustudie der Landeskirchen

Originalartikel vom 25.01.2013 in der Stuttgarter Zeitung: Arme haben wenig Interesse an der Kirche

Natürlicher Schrumpfungsprozess

 

Die Kirchen verlieren immer mehr Mitglieder und machen sich Gedanken über notwendige Reaktionen darauf. Der richtige Weg ist die Kenntnisnahme der Realitäten unserer heutigen Gesellschaft. Aufgeklärte und geistig sowie materiell unabhängige Menschen fangen mit den religiösen Lehren immer weniger an. Vor allem die starren Dogmen der katholischen Kirche schrecken viele Mitglieder ab.

 

Sie schreiben, die Kirchen sind unverzichtbar, aber das gilt heute nicht mehr so umfassend wie früher. Werte werden auch von anderen Institutionen vermittelt, die Kirchen haben dafür kein Monopol. Elternhaus, Schule und soziale Einrichtungen sind als Vorbilder genauso gut geeignet, und sie leisten dies ohne einen spirituellen Überbau und ohne irrationale Glaubensinhalte. Das Vermitteln einer allgemeingültigen Ethik, die aus unserem kulturellen Erbe entstanden ist, bietet für viele Menschen die bessere Grundlage für ein verantwortungsvolles Leben als die strengen Moralvorschriften der Kirchen.

 

Wer den Halt einer kirchlichen Gemeinschaft braucht, soll ihn gerne dort finden. Aber immer mehr Menschen vertrauen auf ihre eigene Stärke und die Strukturen einer sozial ausgerichteten Gesellschaft. Nichtreligiöse Gruppen wie die Humanisten vermitteln ebenso wie die Kirchen einen Zusammenhalt und ein Gemeinschaftsgefühl und bieten Rituale, die das Leben begleiten. Hier fühlen sich glaubensferne Menschen heutzutage besser aufgehoben als bei den Amtskirchen.

 

Wer bewusst ohne die Kirche lebt, der hat erfahren, man kann auch ohne einen Gott ein glückliches, erfülltes und angstfreies Leben führen. Immer mehr Menschen erkennen dies und wenden sich von den Kirchen ab. Das ist in meinen Augen ein normaler Vorgang und keine alarmierende Entwicklung. Die Kirche sollte dies als einen natürlichen Schrumpfungsprozess begreifen und sich den Menschen widmen, die ihre Dienste weiterhin benötigen.

 

 

14.10.2012: Brief an den Bundestagsabgeordneten Dr. Pfeiffer (CDU)

Gesetzesvorlage zur Beschneidung, 3.Brief

Sehr geehrter Herr Dr. Pfeiffer,

als Fortsetzung unserer E-Mail-Korrespondenz zur Gesetzesvorlage zur Beschneidung [1] von minderjährigen Jungen möchte ich hiermit erneut an Sie appellieren, dem Vorhaben so nicht zuzustimmen. Der jetzt vorliegende Text ist noch schlimmer als befürchtet und ein klarer Verstoß gegen die im Grundgesetz verankerten Menschenrechte. Die bisherige Praxis, bei der dieses zweifelhafte Ritual vor der breiten Öffentlichkeit verborgen ausgeführt wurde, ist schon bedenklich genug. Dass jetzt aber die Zwangsbeschneidung offiziell sanktioniert werden soll, ist in meinen Augen ein Skandal.

Dieses Gesetz stellt einen Rückfall in vergangene Zeiten dar, in denen Kinder nur wenig Rechte besessen haben und Gewalt an ihnen bei der Erziehung von der Gesellschaft toleriert worden ist. Ich denke da an die Prügelstrafe oder an entwürdigende Erziehungsmethoden. Ein gutes Beispiel dazu wird in dem beeindruckenden Film „Das weiße Band“ gezeigt, den Sie sicherlich kennen. Sollte die Beschneidung straffrei bleiben, dann hätten wir die kuriose und beschämende Situation, dass die Rechte von Lebewesen im Tierschutz, wo das Kupieren des Schwanzes bei Hunden verboten ist, enger gefasst sind als beim Schutz von Kindern.

In Ihrer Stellungnahme vom 12.09.2012 bewerten Sie die religiösen Gebräuche sehr hoch und hinterfragen die Aussagen der Religionsführer in keinster Weise. Damit geben Sie der Religion einen so hohen Stellenwert, dass hier Menschenrechte verletzt werden dürfen, wo es sonst nicht gestattet ist. Es ist mir unverständlich, wie eine solche Einstellung mit den Regeln unseres modernen säkularen Staates in Einklang zu bringen ist.

Wenn Sie dem Gesetzentwurf in der jetzigen Form zustimmen sollten, müssen Sie sich von Ihren Wählern die folgende Fragen stellen lassen:
- Halten Sie das bei der Erarbeitung des Gesetzentwurfes angewendete Verfahren für eine verantwortungsvolle Arbeit des Gesetzgebers?
- Warum wurde dieses wichtige Gesetz im Eiltempo durchgedrückt und warum sind notwendige Diskussionen abgewürgt worden?
- Warum wurden hauptsächlich offizielle religiöse Vertreter gehört und kritische Stimmen, auch aus den Religionskreisen, außer Acht gelassen?
- Warum wurden zur Bewertung der Folgen der Beschneidung nur die positiven Aussagen herangezogen und die negativen Berichte unberücksichtigt gelassen?
- Akzeptieren Sie wirklich die Behauptungen der Religionsführer, dass die Amputation der Vorhaut eines Knaben die Voraussetzung ist für den Weg zu Gott?
- Sehen Sie die Themen Schmerzfreiheit des Eingriffes und Aufklärung der Eltern im Gesetzentwurf genau genug beschrieben und ist eine sichere Ausführung garantiert?
- Kann  es sein, dass das Motiv der Abgeordneten des Bundestages für dieses Gesetz primär nicht das Wohl des Kindes ist, sondern die Vermeidung von Konflikten in der Gesellschaft und die Scheu vor einer Auseinandersetzung mit den betroffenen Religionsführern?

Was hier jetzt geschieht, beruhigt die Gesellschaft nicht. Im Gegenteil. Die kritischen Stimmen werden nicht verstummen, dazu ist der moderne, aufgeklärte Bürger viel zu selbstbewusst. Er beobachtet die Politik genau und wehrt sich, wenn wichtige Grundsätze verletzt werden. Dieses ist so ein Fall. Ein Gesetz, das unter dem Druck einzelner Gruppen zustand kommt, die nicht die wirkliche Mehrheit und Meinung des Volkes darstellen, ist ein Spaltpilz der Gesellschaft. Unsere Volksvertreter, die an diesem unwürdigen Geschehen mitwirken, erweisen der Deutschen Gesellschaft damit einen Bärendienst.

Ich bin erschüttert, dass ein Repräsentant unserer Demokratie wie Sie sich von der Religion so sehr blenden lässt, dass er dafür moralische Prinzipien über Bord wirft. Ich appelliere an Ihren gesunden Menschenverstand und  an Ihre geistige Unabhängigkeit, Ihre Haltung noch einmal zu überdenken.

Weitere Argumente und eine ausführliche Darlegung der Position der Giordano Bruno Stiftung finden Sie in dem Artikel
Gesetzentwurf a la carte religieux von Walter Otte [2], der im Humanistischen Pressedienstes hpd veröffentlicht wurde. Sie erhalten diesen Artikel als Anlage und ich möchte Ihnen die Lektüre wärmstens ans Herz legen.

Mit freundlichem Gruß

Ihr

Verweise:
[1] Gesetzesentwurf der Bundesregierung mit Begründung (auf tagesschau.de)
[2] Gesetzentwurf à la carte religieuse von Walter Otte (Humanistischer Pressedienst)

 

05.10.2012: Leserbrief in der Stuttgarter Zeitung

Leserbrief zur Berichterstattung über den Gesetzentwurf zur Beschneidung in der Stuttgarter Zeitung vom 27.09.2012. Der kursiv wiedergegebene Teil wurde abgedruckt.

Präzedenzfall

Jetzt liegt er also vor, der Gesetzentwurf zur Zwangsbeschneidung von minderjährigen Jungen. Darin wird festgestellt, dass die Amputation der Vorhaut ohne medizinische Notwendigkeit eine Körperverletzung darstellt, diese aber nicht rechtswidrig ist. Das ist für mich Haarspalterei und ein Sündenfall unseres Rechtstaates.

Hier wird das Recht gebeugt, weil Ausnahmen geschaffen werden für einzelne gesellschaftliche Gruppen aus rein subjektiven Gründen. Es ist ein schlimmer Präzedenzfall, denn er kann zum Einfallstor werden für weitere Vorgänge, um religiöse Vorschriften in staatliches Recht zu überführen. Was macht unser Staat, wenn versucht werden sollte, Teile der Scharia gesetzlich zu verankern?

Unser Staat ist eingeknickt vor dem Druck der orthodoxen Vertreter der betroffenen Religionsgemeinschaften. Die Regierung und das Parlament sind bereit, die humanitären Errungenschaften unserer modernen Gesellschaft für einen sogenannten gesellschaftlichen Frieden zu opfern. Und das entgegen dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung. Der bessere Weg wäre es gewesen, zusammen mit den moderaten Kräften in Ruhe nach einer von allen Gesellschaftsschichten getragen Lösung zu suchen. So bleibt nicht nur ein fader Nachgeschmack, sondern das Thema brodelt weiter und droht, ein Spaltpilz zwischen den sich kontrovers gegenüber stehenden Teilen unserer Gesellschaft zu werden.