Ist die gbs „wissenschaftsfundamentalistisch“?

Der von den Verteidigern des Glaubens immer wieder erhobene Vorwurf des „Wissenschaftsfundamentalismus“ ist ein Widerspruch in sich. Denn Wissenschaft ist im Unterschied zur Religion per definitionem ergebnisoffen. Als Methodik des kritischen Zweifelns beruht sie weder auf „unantastbaren, ewigen Wahrheiten“, noch hat sie das Bestreben, solche „unerschütterliche Wahrheiten“ zu vermitteln. Falls also tatsächlich jemand dogmatisch an spezifische Ergebnisse des wissenschaftlichen Forschungsprozesses glauben sollte, so würde er allein dadurch die
Grundprinzipien des wissenschaftlichen Denkens verraten.

Davon abgesehen vertritt die gbs keineswegs die Position, dass sich auf Wissenschaft alleine eine Alternative zur Religion begründen ließe. Nicht ohne Grund lautet ein zentrales Motto der Stiftung „Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst besitzt, braucht keine Religion.“ Es sollte klar sein, dass sich viele bedeutsame Fragen des Lebens nicht mit wissenschaftlichen Methoden beantworten lassen. Dies verlangt jedoch keineswegs, dass deshalb Religionen die Deutungshoheit haben. Philosophische Überlegungen kommen etwa auf ethischem Gebiet zu weit überzeugenderen Ergebnissen. Und selbst dort, wo die klügsten Argumente der Philosophie versagen, ist Religion nicht vonnöten. Denn hier liegt das Hoheitsgebiet der Kunst, die jenen „poetischen Überschuss des Lebens“ einzufangen vermag, der sich jeder wissenschaftlichen wie philosophischen Analyse entzieht.