Verwechselt die gbs nicht Religion mit Fundamentalismus?

Wir differenzieren sehr wohl zwischen fundamentalistischen und aufgeklärten Gläubigen. So wie es Limonade ohne Zucker gibt, gibt es dank der Aufklärung, die unbestritten weite Teile der akademischen Theologie erfasste, mittlerweile auch ein Christentum ohne Hölle und Teufel. Solche aufklärerisch gezähmten „Light-Versionen des Glaubens“ sind zwar durchaus sympathisch, jedoch logisch nicht konsistent. („Jesu Erlösungstat ist ohne Voraussetzung von Hölle und Teufel in etwa so sinnlos wie ein Elfmeterschießen ohne gegnerische Mannschaft!“) Ohne ein wirksames metaphysisches Bedrohungsszenario entbehrt der religiöse Glaube seiner eigentlichen Pointe, was wohl der Grund dafür ist, dass gerade liberale Glaubensgemeinschaften schrumpfen, während fundamentalistische Gruppen ähnlich stark anwachsen wie die Gruppe derer, die sich überhaupt nicht mehr religiös definieren.

Man mag es bedauern, dass der „aufgeklärte Glaube“ zunehmend seine Vermittlungsfunktion zwischen konsequenter Aufklärung und religiösem Dogmatismus verliert, ignorieren sollte man dieses Faktum jedoch nicht. Der Grund für den Bedeutungsverlust des aufgeklärten Glaubens liegt auf der Hand: Nie zuvor war die prinzipielle Unvereinbarkeit von wissenschaftlichem Wissen und religiösem Glauben so offensichtlich wie in unseren Tagen. (So muss man evolutionstheoretische Erkenntnisse zumindest partiell ausblenden, um den Glauben an den christlichen oder muslimischen Schöpfergott aufrechterhalten zu können.) Damit schwindet der Nährboden für das Projekt des aufgeklärten Glaubens, dessen Wirkungsgrad ohnehin nicht überschätzt werden sollte. Denn es handelt(e) sich dabei nur um eine zeitlich begrenzte und zudem auch noch weitgehend auf Westeuropa beschränkte Kulturerscheinung, die keineswegs typisch ist für das, was weltweit unter dem Begriff „Religion“ verstanden wurde und wird.