Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle unrecht haben.

Plakat: Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle unrecht haben.

Sich selbst überlassen, kämen die Menschen zu höchst unterschiedlichen und sich widersprechenden Erklärungen des Ursprungs der Welt und ihrer eigenen Herkunft und Zukunft. Erst die Gemeinschaft bestärkt die Menschen in ihrem Glauben und bringt Priester und Theologen hervor, die dann wiederum die verbindlichen Glaubensinhalte definieren. Deshalb braucht Religion zwingend die Gemeinschaft der Gläubigen. Ohne dieses gegenseitige Versichern des Glaubens kämen schnell Zweifel am eigenen Glauben auf.

Die religiösen Gemeinschaftserlebnisse wie Gottesdienste, Hausbibelkreise, Haddsch, Wallfahrten, Pilgern, Kirchentage, "christliche Freizeiten" sind der psychologische Schlüssel, um das Phänomen der Religion zu verstehen. So erklärt sich auch der Erfolg der Freikirchen. Sie haben sich in der Liturgie von den traditionellen Großkirchen gelöst. Manchmal wird sogar nicht einmal mehr das Vaterunser im Gottesdienst gebetet. Stattdessen bieten sie in ihren Gottesdiensten eine Mischung von Pop-Konzert mit viel Applaus, professioneller Light-Show und modernen, mitreißenden Liedern zum Mitsingen an. Diese Veranstaltungen treffen den Zeitgeschmack der Leute und sprechen sie auf emotionaler Ebene an. Deshalb findet man in den Freikirchen überdurchschnittlich viele junge Menschen. Dagegen sind die Predigten oft theologisch besonders flach.

Auch wenn alle Anhänger einer Religion von ihr überzeugt sind, können sie alle irren.

So wie einzelne Menschen zu verschiedenen Weltanschauungen kämen, entwickelten verschiedene Menschengruppen unterschiedliche und sich widersprechende Glaubensvorstellungen, wie die heutigen Religionen und die Religionen der Vergangenheit zeigen. Da sich aber die Glaubensinhalte der Religionen gegenseitig ausschließen, können nicht alle Religionen richtig sein. Es können aber alle Religionen falsch sein.

Würde demgegenüber ein einzelner Mensch versuchen, Wissen über die Welt durch reproduzierbare experimentelle Ergebnisse zu gewinnen, käme er auch ohne jeglichen Kontakt zu anderen Menschen zwangsläufig zu unserem heutigen wissenschaftlichen Bild.

Bertrand Russell sah die Grundlage der Religion in der Angst vor Geheimnisvollem und Unbekanntem, die mit der Hoffnung auf den Beistand einer gütigen und helfenden Instanz einher ginge. Russell vertrat die Auffassung, Religion habe zur moralischen Entwicklung der Menschheit keinen Beitrag geliefert.

Links:
[1] http://hpd.de/node/9086
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Bertrand_Russell
[3] http://bfg-bayern.de/ethik/Personen/Russell_Bertrand.htm